Wirtschaft & Arbeitswelt

Inflation: Lebensmittel aus der Türkei in Deutschland teils günstiger als in der Türkei selbst

  • Februar 11, 2026
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Inflation: Lebensmittel aus der Türkei in Deutschland teils günstiger als in der Türkei selbst

Die anhaltend hohe Inflation in der Türkei zeigt zunehmend paradoxe Effekte: Auf und in türkischen Märkten in Deutschland werden einzelne Lebensmittel inzwischen günstiger angeboten als im Herkunftsland selbst. Hintergrund sind der Wertverlust der Lira, steigende Lebensmittelpreise in der Türkei und stabile Euro-Exportpreise.

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei bleibt auch 2026 angespannt. Im Januar lag die Inflation laut Statistikamt TÜIK im Monatsvergleich bei 4,84 Prozent. Im Jahresvergleich bedeutete dies ein Plus von 30,65 Prozent. Mit mehr als 31 Prozent war die Teuerung bei den Lebensmitteln leicht überdurchschnittlich.

Zwar ist die Inflation mittlerweile deutlich unter den Spitzenwerten der Jahre 2022 bis 2024 angelangt. Allerdings liegt sie noch erheblich über den relativ stabilen einstelligen Werten der 2000er und 2010er Jahre. Ökonomen halten das von der Regierung angestrebte Ziel einer Senkung der Teuerung auf 16 bis 19 Prozent bis Ende des Jahres nicht für realistisch. Derweil sind die Preise für Obst und Gemüse hoch. Der Preisdruck führt auch zu einer unfreiwillig rückläufigen Nachfrage bei Fleisch und anderen Proteinquellen.

Effekt betrifft alltägliche Lebensmittel wie Tomaten, Hülsenfrüchte und Bulgur

Der Umstand, dass die Teuerung in der Türkei auf einem hohen Niveau verharrt, während sie sich in Deutschland weitgehend beruhigt hat, führt mittlerweile zu skurrilen Ergebnissen. Zumindest im direkten Euro-Vergleich sind einige türkische Produkte auf und in Märkten in Deutschland günstiger als in der Türkei selbst.

Konsumenten in Deutschland müssen teilweise umgerechnet weniger für diese Waren bezahlen als Konsumenten in der Türkei selbst. Dies trifft unter anderem auf Tomaten, Tomatenmark, Paprika, Bulgur, Hülsenfrüchte und Reis zu.

Ein entscheidender Faktor ist dabei Experten zufolge der anhaltende Wertverlust der türkischen Lira. Gleichzeitig werden die Exportpreise in Euro festgelegt. Deshalb bleiben sie stabil, während die Preise in der Türkei selbst bedingt durch die Inflation weiter steigen.

Preisniveau insgesamt bleibt in Deutschland deutlich höher

Weitere Faktoren sind effiziente Lieferketten, langfristige Einkaufsverträge und ein intensiver Wettbewerb unter türkischen Lebensmittelhändlern in Deutschland. Dazu kommt, dass sich die wirtschaftliche Talfahrt im Euroraum abgeflacht und die Inflation auch auf dieser Ebene stabilisiert hat.

Insgesamt bleibt das Preisniveau trotz einzelner günstiger Produkte in der Türkei deutlich günstiger. Bei Lebensmitteln und Konsumgütern liegen die Preise Schätzungen zufolge um 40 bis 50 Prozent unter dem deutschen Niveau.

Allerdings gilt der Umstand, dass einzelne Produkte im Ausland billiger sind als in der Türkei, als Warnsignal für Kaufkraftverlust und Marktverzerrungen. In der Diaspora gilt dieser Preisvergleich für viele als ein sichtbarer Beleg für die anhaltende wirtschaftliche Belastung der Haushalte in der Türkei.

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