Präsident Erdoğan (am Steuer, r.) ließ es sich nicht nehmen, das bald serienmäßig vom Band laufende Auto Probe zu fahren. Neben ihm auf dem Beifahrersitz: Ehefrau Emine. Foto: https://twitter.com/Togg2022

Seit über 60 Jahren träumt die Türkei von einer eigenen Automarke. Am 99. Geburtstag der Republik rückt der Traum ein wenig näher. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

Der Name ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, er ist aber geblieben und hat sich etabliert: TOGG. Diese vier Buchstaben stehen für „Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu“ – „Initiativgruppe Automobil der Türkei“. Dahinter steckt ein vor knapp vier Jahren gegründetes Joint Venture, bestehend aus den Firmen Anadolu Grubu, BMC, Kıraça Holding, Vestel und Turkcell.

In der Vergangenheit gab es regelmäßig und häppchenweise Fotos und Informationen zum Premierenmodell von TOGG – einem SUV. Noch aber kann man es nicht erwerben. Das dürfte sich bald ändern.

Opposition verzichtet auf PR-Termin

Denn heute, am 99. Tag der türkischen Republik, wurde in Gemlik (Provinz Bursa) die erste Produktionsstätte von TOGG feierlich eingeweiht, wo es serienmäßig vom Band laufen soll. Mit dabei waren neben Präsident Recep Tayyip Erdoğan und TOGG-CEO Mehmet Gürcan Karakaş mehrere AKP-Minister, unter anderem Mustafa Varank, der für die Ressorts Industrie und Technologie verantwortlich ist. Von der Opposition war hingegen niemand vor Ort.

Diese ist nämlich der Meinung, dass Erdoğan das erste türkische Auto nicht als Prestigeprojekt der Türkei präsentiert, sondern sein eigenes. Vor allem versuche er, angesichts der anstehenden Wahlen im Juni politisches Kapital daraus zu schlagen. Während IYI-Partei-Chefin Meral Akşener ihre Absage mit einem „vollen Terminkalender“ begründete, verwies CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu darauf, dass die Einladung nicht vom Hersteller, sondern aus dem „Palast“, also dem Präsidialamt, gekommen sei. Ohne Namen zu nennen, kritisierte Erdoğan bei seiner Rede in Gemlik „jene, die Projekte verhindern“ wollten. Gemeint haben dürfte er damit unter anderem die Opposition.

Endgültiger Preis im Februar?

Varank erklärte, dass das Auto zu „51 Prozent“ in der Türkei hergestellt werde. Bis 2025 solle dieser Anteil auf 65 % steigen. Erstmals erhältlich sein soll es im Frühjahr 2023. Der Preis werde vermutlich im Februar feststehen, so Erdoğan. Beobachter gehen davon aus, dass das erste Modell, das übrigens auch ein E-Auto ist, zwischen 900.000 und eine Million Türkische Lira kosten wird. Derzeit wären das knapp 50.000 Euro. Damit wäre es für den durchschnittlichen Verbraucher kaum zu bezahlen. Mit einem günstigeren Modell wird erst in zwei bis drei Jahren gerechnet.

Karakaş verkündete derweil auch Neuigkeiten: TOGG werde künftig nicht mehr mit Großbuchstaben geschrieben, sondern „Togg“. Dadurch soll die Marke „wärmer“ wirken. Ob und wenn ja, wie sich das auf die Verkaufszahlen auswirkt, wird sich dann im kommenden Jahr zeigen.