Wirtschaft

„Forbes“-Liste: Wer die reichsten Türken sind – und was die Regierung damit zu tun hat

  • April 4, 2025
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„Forbes“-Liste: Wer die reichsten Türken sind – und was die Regierung damit zu tun hat

Der reichste Mensch der Welt mit 342 Milliarden US-Dollar bleibt Elon Musk, doch auch in der Türkei wächst die Zahl der Milliardäre. Wer die wohlhabendsten Türken sind, in welchen Branchen sie ihr Geld verdienen und warum politische Nähe eine entscheidende Rolle spielt.

Elon Musk bleibt trotz der jüngsten Turbulenzen bei Tesla der mit Abstand reichste Mensch der Welt. Mit einem Vermögen von 342 Milliarden US-Dollar hält er einen deutlichen Abstand zu Meta-Boss Mark Zuckerberg (216 Milliarden) und Amazon-Gründer Jeff Bezos (215 Milliarden). Das geht aus der jüngst veröffentlichten Milliardärsliste des „Forbes“-Magazins hervor.

Erstmals ist die Zahl der dort vermerkten Superreichen auf mehr als 3.000 Personen oder Familien angewachsen. Die Zahl der Milliardäre mit Bezug zur Türkei ist seit dem Vorjahr auf 35 angewachsen. Von diesen sind 31 in der Türkei selbst beheimatet.

Murat Ülker bleibt reichster Türke – vor Landsleuten aus der Diaspora

Von den Vermögenswerten, die US-amerikanische Spitzenreiter der Liste auf sich vereinen, sind sie alle weit entfernt. Mit 5,5 Milliarden US-Dollar an Vermögen bleibt Murat Ülker der reichste Türke. Er ist Hauptaktionär der Yıldız-Holding. Das Vermögen des Lebensmittelmagnaten ist vor allem dank der starken Vorstellung der weltweit tätigen Unternehmensgruppe Pladis und der Marke Godiva um 400 Millionen US-Dollar gestiegen. Er ist unter den reichsten Menschen der Welt auf Platz 639.

Auf Platz 846 folgt Cemil Kazancı mit einem Vermögen von 4,3 Milliarden US-Dollar. Die im Energiesektor tätige Kazancı Holding gehört zu den marktbeherrschenden Energiekonzernen des Landes. Nach den Übernahmen unter anderem von Bursagaz und Kayserigaz wuchs sein Vermögen um 800 Millionen US-Dollar.

Ebenfalls bei 4,3 Milliarden US-Dollar Vermögen ist BioNTech-Mitgründer Uğur Şahin anzusiedeln, der damit auch der reichste Diasporatürke ist. Er will die mRNA-Technologie, die im Kontext der Corona-Pandemie weltweit ihren Durchbruch erlebt hatte, nun auch in der Krebsforschung zur Anwendung bringen.

„Forbes“-Liste: Murat Ülker ist der reichste Mann der Türkei

Nur vier türkische Frauen auf der „Forbes“-Liste

Im Ausland, genau genommen in den USA, befindet sich auch das Ehepaar Eren (4,0 Mrd. USD) und Fatih Özmen (3,8 Mrd. USD). Eren Özmen ist Präsidentin der US-amerikanischen Sierra Nevada Corporation, ihr Ehemann ist dessen CEO. Das Unternehmen ist im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik tätig und arbeitet eng mit den US-Streitkräften zusammen. In den USA feiert auch Hamdi Ulukaya, der Gründer des Lebensmittelkonzerns Chobani, große Erfolge. Sein Vermögen beläuft sich auf 2,3 Milliarden US-Dollar.

Durch eine Erbschaft innerhalb der Koç-Familie wurde İpek Kıraç zur reichsten Frau der Türkei. Sie liegt mit einem Vermögen von 3,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 1.141. Mit 40 Jahren ist sie auch die jüngste Milliardärin. Außer ihr sind nur drei weitere Frauen aus der Türkei auf der Milliardärsliste vertreten: Eine davon ist Filiz Şahenk, die im Mischkonzern Doğuş Holding die Bereiche Mode und Tourismus führt.

Gründerwitwe Deniz Şahenk ist nicht mehr aktiv im Management der Holding tätig, die 79-Jährige ist jedoch nach wie vor auf der Milliardärsliste vertreten. Die vierte Frau auf der Liste ist ebenfalls Erbin: Die 96-jährige Semahat Sevim Arsel ist auch das älteste Mitglied des Koç-Clans.

Milliardäre in der Türkei verteilen sich auf sechs Branchen

Die Milliardäre in der Türkei konzentrieren sich im Wesentlichen auf sechs Branchen. Dies sind die Nahrungsmittelindustrie, die Energiebranche und die traditionellen Mischkonzerne. Neben der Koç-Holding spielt dabei auch beispielsweise die Eczacıbaşı Holding von Bülent und Faruk Eczacıbaşı eine Rolle.

Erman Ilıcak von der Rönesans Holding (4,4 Mrd. USD) und Nihat Özdemir (2,3 Mrd. USD) gehören zu den größten Akteuren im Bereich Bau und Immobilien. Mit Kazım Türker (1,4 Mrd. USD) von der Türkerler Holding ist auch ein Neuling aus dem Sektor vertreten. Hüsnü Özyeğin (Fiba Holding, 1,8 Mrd. USD) und die Doğuş Holding repräsentieren auch den türkischen Bankensektor auf der „Forbes“-Liste.

Zu den Aufsteigern gehören auch die Brüder Selçuk (1,8 Milliarden USD) und Haluk Bayraktar (1,6 Milliarden). Sie sind die wichtigsten Player im Bereich der türkischen Rüstungsindustrie und Entwickler der Baykar-Drohne.

Großaufträge kommen vorwiegend von der Regierung

Die türkischen Vertreter auf der „Forbes“-Liste lassen in deutlicher Weise erkennen, dass Reichtum in der Türkei in hohem Maße von einer deutlichen Nähe zur Regierung abhängig ist. Die größten Bau- und Mischkonzerne profitieren von Großprojekten im Infrastruktur- und Wohnungsbau. Die Rüstungskonzerne sind in noch höherem Maße von Regierungsaufträgen abhängig.

Selçuk Bayraktar ist zudem mit Sümeyye Erdoğan, der Tochter des Präsidenten, verheiratet. Bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen war dies bislang kaum von Nachteil. Außerdem hängt auch der Energiesektor stark von staatlich gesetzten Rahmenbedingungen und Leitentscheidungen ab. Der Kauf von Versorgern wie Bursagaz und Kayserigaz durch die Kazancı Holding wäre ohne den Segen der Regierung nicht denkbar gewesen. Sie gingen im Kontext der türkischen Energiepolitik vonstatten, die strategische Infrastrukturprojekte bevorzugt.

Wie es erfolgreichen Unternehmen ergehen kann, die nicht auf Regierungslinie sind, musste hingegen erst jüngst die Maydonoz-Dönerkette erfahren. Sie wurde kurzerhand wegen angeblicher „Terrorfinanzierung“ und Nähe zur Gülen-Bewegung unter Zwangsverwaltung gestellt.

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