Ein Mähdrescher erntet Getreide auf einem Feld in der Region Odessa im Süden der Ukraine. Foto: -/Ukrinform/dpa

In Istanbul ist eine Verhandlungslösung für ukrainisches Getreide in Sicht. Dazu soll es ein gemeinsames Kontrollzentrum in Istanbul geben. Auch Schiffe mit dem Ziel Ukraine sollen in der Türkei durchsucht werden. Die Details.

Die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine soll von den Konfliktparteien unter UN-Führung gemeinsam überwacht werden. Eine Einigung zum Ende der russischen Getreideblockade im Schwarzen Meer sieht ein gemeinsames Kontrollzentrum in Istanbul vor.

Es soll von den Vereinten Nationen geleitet und mit Vertretern Russlands, der Ukraine und der Türkei besetzt sein. Das angestrebte Abkommen zu den ukrainischen Getreidelieferungen sieht vor, das in dem Kontrollzentrum in Istanbul auch die genauen Koordinaten für den humanitären Korridor auf dem Seeweg zwischen der Ukraine und dem Bosporus festgelegt werden.

Kontrolle von Schiffen in der Türkei

Zudem einigten sich die Parteien, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn Schiffe aus der Ukraine das Schwarze Meer wieder verlassen wollen.

Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist. Schiffe in dem humanitären Korridor und die beteiligten Häfen dürften dabei nicht angegriffen werden. Das Abkommen soll den Angaben zufolge zunächst für vier Monate gelten.

Umsetzung des Abkommens könnte noch dauern

Nachdem sich unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten in der vergangenen Woche eine grundsätzliche Einigung zwischen Moskau und Kiew über die Aufhebung der Blockade abzeichnete, ist nun auch die Unterzeichnung einer formalen Vereinbarung geplant. Die Umsetzung des Abkommens – und damit die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine – könnte jedoch Wochen dauern.

„Wir können dieses Problem lösen und möglicherweise Hunderttausende, möglicherweise Millionen von Menschen davor bewahren, dass der Preis für Lebensmittel außerhalb ihrer Reichweite liegt“, hatte UN-Sprecher Farhan Haq am Donnerstag gesagt. Vertreter der UN, der Ukraine, Russlands und der Türkei hatten zuletzt in Istanbul bereits große Verhandlungsfortschritte erzielt.

Größter Vermittlungserfolg der Vereinten Nationen?

Die nun offenbar erzielte Einigung wäre der wohl größte Vermittlungserfolg der Vereinten Nationen seit Kriegsbeginn, nachdem die Weltorganisation bereits bei der Evakuierung ukrainischer Zivilisten in der Stadt Mariupol geholfen hatte. Zudem könnte es sich um den bislang bedeutendsten Kompromiss zwischen Moskau und Kiew in dem Konflikt handeln.