ARCHIV - 21.08.2019, Türkei, Istanbul: Süleyman Soylu, Innenminister der Türkei, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Ahmet Bolat/POOL ANADOLU/AP/dpa
Der Islam spielt in der alltäglichen Politik der türkischen Regierung AKP eine hervorgehobene Rolle. Innenminister Soylu scheint nun mit einem Satz etwas zu weit gegangen zu sein, zumindest wenn es nach der Opposition geht.

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu (AKP) sorgt derzeit erneut für kontroverse Diskussionen. Auf einer Sitzung sagte er gegenüber Parteimitgliedern, dass hinter den Taten seiner Partei Gott stehe: „Der liebe Gott weiß es. Wir haben unser Volk nie verraten“, hört man den in der Türkei besonders im konservativen Bevölkerungsteil beliebten Innenminister auch in dem entsprechenden Video sagen. Soylu weiter: „Egal, wie sehr man uns angreift, wir haben nie Verrat begangen. Egal, was sie sagen. Deshalb solltet ihr nicht nur darauf achten, was wir tun. Wir tun es nicht selbst. Wir glauben, dass Gott es uns machen lässt.“ Den letzteren Satz wiederholte Soylu dreimal. „Das ist unser Glaube“, so der AKP-Politiker.

Opposition reagiert scharf

Faik Öztrak, Sprecher der Oppositionspartei CHP, reagierte mit scharfer Kritik auf den Innenminister: „Sie versuchen den großen Gott in ihre Ungerechtigkeiten und Verleumdungen hineinzuziehen“, so der kemalistische Politiker auf Twitter. Auch der Chef der Saadet-Partei, Temel Karamollaoğlu, kann die Worte des Innenministers nicht verstehen und reagierte mit Entsetzen: „Gott möge Sie mit Auffassungsvermögen segnen. Das Ermessen liegt zwar bei Gott, aber verantwortlich ist der Mensch. Seit 20 Jahren seid ihr an der Regierung, könnt die Probleme nicht lösen und schiebt die Schuld der Opposition zu“, so Karamollaoğlu. Er warf der Regierung vor, mit ihren Taten dem Islam zu schaden.
Regierungsnahe Medien hingegen sprechen von einer Manipulation. „Yeni Akit“ schrieb, dass Teile der Rede Soylus geschnitten worden sein und schob die Schuld „linken“ Aktivist:innen zu. Politiker wie Öztrak seien auf diesen Zug aufgesprungen.