Türkei präsentiert Interkontinentalrakete „Yıldırımhan“ und neue Drohnentechnologie
Die Türkei hat auf der Rüstungsmesse SAHA ihre erste Interkontinentalrakete vorgestellt. „Yıldırımhan“ soll eine Reichweite von 6.000 Kilometern und Geschwindigkeiten bis Mach 25 erreichen. Parallel präsentierte Ankara neue KI-gestützte FPV-Kamikazedrohnen des Typs „Merküt“.
Auf der Rüstungsmesse SAHA 2026 in Istanbul, die zwischen dem 5. und 9. Mai stattfand, hat die Türkei ihre erste Interkontinentalrakete vorgestellt. Diese trägt den Namen „Yıldırımhan“ – nach dem osmanischen Sultan Yıldırım Bayezid – und die Unterschrift Mustafa Kemal Atatürks. Sie verfügt dem Verteidigungsministerium zufolge über eine Reichweite von 6.000 Kilometern. Die erreichbare Geschwindigkeit soll zwischen Mach 9 und Mach 25 (zwischen 11.128,5 und 30.912,5 km/h) liegen.
Damit würde die Yıldırımhan in der Lage sein, Ziele in weiten Teilen Europas, in Russland, im Nahen Osten, in Afrika und Indien zu erreichen. Minister Yaşar Güler spricht von einem „Meilenstein“ und einem „Grund zum Stolz“. Die Türkei werde damit zu den Ländern mit strategischen Langstreckenwaffen gehören. Er kündigte weitere Produktentwicklungen an, die eine „entscheidende Rolle für die nachhaltige Stärkung der Verteidigungsindustrie“ spielten.
Strebt die Türkei auch nach der Atomwaffe?
Güler betonte die politische Abschreckungswirkung der Rakete. Man werde, so der Minister, die Systeme „ohne Zögern einsetzen“, sollte das erforderlich werden. Bekenntnisse wie diese unterstreichen die Ausrichtung der Militärstrategie vergangener Jahre. Die Türkei strebte danach, ihre Militärtechnik selbst zu produzieren, um unabhängiger von anderen Ländern zu werden. Zugleich zog es sie als Anbieter von Waffentechnik auf den Weltmarkt.
Gleichzeitig haben viele der auf der Messe ausgestellten Rüstungsgüter bei weitem noch nicht alle Tests für eine Einsatzreife durchlaufen. Entsprechend bleibt es auch unklar, ob die „Yıldırımhan“ tatsächlich die angegebenen Leistungsdaten erreicht. Dennoch sorgt die Ankündigung schon jetzt weit über die Grenzen des Landes hinaus für Aufmerksamkeit.
Dies ist insbesondere aufgrund der hohen Nutzlast der Rakete der Fall, die damit theoretisch auch nukleare Sprengköpfe befördern könnte. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte 2019 die Frage aufgeworfen: „Warum sollten wir keine Atomwaffen haben?“ Angesichts des Irankrieges könnte sich Ankara ausdrücklich auch diese Option offenhalten. Erst im Juli des Vorjahres hatte die Türkei die Entwicklung einer Hyperschallwaffe des Typs „Tayfun Blok 4“ angekündigt. Diese soll eine Reichweite von etwa 1.000 Kilometer und eine Geschwindigkeit von Mach 5 erreichen.
SAHA 2026 zeigt auch Merküt-Drohne und „Mutterschiff“-Systeme
Darüber hinaus hat das Unternehmen SAVX – ein Tochterunternehmen von Titra – auf der SAHA 2026 auch die First-Person-View-Kamikazedrohne (FPV) „Merküt“ vorgestellt. Die Drohne wurde speziell für asymmetrische Kriegführung und moderne Gefechtsfelder entwickelt. Dem Einsatzkonzept zufolge soll sie über sogenannte Drohnenmutterschiffe gesteuert werden.
Als solche Transport- und Kommandomechanismen kommen größere unbemannte Systeme infrage. Auf der Messe gezeigt wurden etwa der unbemannte Hubschrauber „Alpine“ von Titra oder die Plattform „ZD300“ von Zyrone Dynamics. Diese Systeme sollen Merküt-Drohnen nahe an die Front oder hinter feindliche Linien transportieren. Die Drohne funktioniert mit einem Annäherungszünder und nutzt KI-gestützte Zielerkennung und autonomes Tracking.
Das Gewicht der Merküt liegt bei 2,5 Kilogramm, die Reichweite bei 10 Kilometern. Mit Sprengkopf soll sie 20 Minuten lang mit, 30 Minuten lang ohne Nutzlast fliegen können. Die Geschwindigkeit liege zwischen 110 und 150 Stundenkilometern. Die Modelle seien mit Tageslicht- und Wärmebildkameras verfügbar. Eine kabelgebundene Variante zur Störsicherheit gegen elektronische Gegenmaßnahmen existiere ebenfalls.
Türkei will sich auf Drohnenmarkt weiter behaupten
Das Mutterunternehmen Pasifik Teknoloji spricht davon, dass es bereits einen Rahmenvertrag gebe. So soll ein nicht näher bezeichnetes „verbündetes Land“ bereits 100.000 Merküt-Systeme und zehn Alpine-Hubschrauber geordert haben. Die Kombination aus massenhaft produzierbaren FPV-Drohnen und Trägerplattformen gilt als Weiterentwicklung der im Ukrainekrieg sichtbar gewordenen Drohnenkriegsführung.
Mit günstigen, massenhaften Systemen mit hoher Reichweite durch Mutterschiffe sowie zunehmender Automatisierung und KI-Unterstützung könnte sich die Türkei weiter als bedeutender Akteur im Bereich moderner Drohnen- und Raketenwaffen etablieren.



