Türkischer Milliardär Rahmi Koç sorgt mit Kurden-Witz für Empörung
Ein Witz des türkischen Unternehmers Rahmi Koç über einen Arzt und eine kurdische Patientin sorgt landesweit für Empörung. Nach heftiger Kritik aus Politik und Gesellschaft hat die Generalstaatsanwaltschaft in Izmir ein Ermittlungsverfahren gegen den Ehrenpräsidenten der Koç-Holding eingeleitet. Der 95-Jährige entschuldigte sich inzwischen öffentlich für seine Äußerungen.
Rahmi Koç, der Ehrenpräsident der Koç-Holding und einer der reichsten Männer der Türkei, ist ins Visier der Generalstaatsanwaltschaft geraten. Diese hat in Izmir von Amts wegen ein Verfahren gegen den Milliardär eingeleitet. Anlass dafür ist ein rassistischer Witz, den dieser während der Eröffnungszeremonie zu einem neu errichteten Krankenhaus erzählt habe.
Zuvor hatten in den sozialen Medien Aufnahmen die Runde gemacht, die im American Hospital im Stadtteil Balçova aufgenommen wurden. Dort eröffnete die Vehbi Koç-Stiftung ein neues Krankenhaus von Koç Healthcare – der für Gesundheit zuständige Teil der Unternehmensgruppe. Die Investitionssumme lag bei 150 Millionen US-Dollar.
Ex-Premierminister lacht mit
Neben den höchsten Entscheidungsträgern der Koç Holding war auch jede Menge politischer Prominenz versammelt. Die Schar der Gäste reichte von Gouverneur Süleyman Elban über den Bürgermeister der Metropolregion Cemil Tugay bis hin zum Bezirksbürgermeister Onur Yiğit. Darüber hinaus waren zahlreiche Akteure der örtlichen Geschäftswelt vertreten.
Eine Aufnahme zeigt Rahmi Koç, wie er am Rande der Veranstaltung zwischen Tür und Angel mit einer Handvoll Anwesenden sprach. Dabei schilderte er lachend einen angeblichen Dialog zwischen einem Arzt und einer kurdischen Patientin. Auf die Aufforderung, hinter dem Vorhang zu Zwecken der Behandlung ihre Kleidung abzulegen, habe diese geantwortet: „Doktor, Sie zuerst.“ Der ehemalige Premierminister Binali Yıldırım, selbst Kurde, stand dabei neben Koç und lachte mit.
Die rassistische und sexistische Äußerung löste eine Welle der Empörung in sozialen Medien, aber auch unter politischen Verantwortungsträgern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus. Nur wenige stellten sich auf den Standpunkt, man solle die erkennbar nicht ernstgemeinte Bemerkung des 95-Jährigen, der noch dazu der größte Steuerzahler des Landes sei, nicht überbewerten.
Empörung über Parteigrenzen hinweg
Die Verurteilung der Aussage reichte über die Parteigrenzen hinweg. Pervin Buldan von der prokurdischen DEM schrieb in sozialen Medien: „Hast Du keine Scham? Mit einem Wort: Schande.“
Aber auch aus der regierenden AKP kamen kritische Stimmen. Parteisprecher Ömer Çelik erklärte: „Kein Teil unserer Gesellschaft darf Gegenstand abwertender, diskriminierender und marginalisierender Diskurse über Glauben, Ethnie, Kultur, Identität oder Geschlecht sein.“ Abwertende Ansätze, die auf Glauben, Ethnie und Geschlecht basierten, führten zu Hassrede. Falsche Aussagen wie diese sollten in jedem Fall vermieden werden.
Justizminister Akın Gürlek erklärte später, er habe die Generalstaatsanwaltschaft in Izmir angewiesen, gegen Koç wegen „Öffentlicher Herabwürdigung eines Teils der Bevölkerung“ vorzugehen.
Koç entschuldigt sich für seine Äußerung
In einer Erklärung heißt es, die Justiz „schützt stets die Menschenwürde und das Recht“. Äußerungen, die die Würde von Frauen schädigten und ihre Würde verletzten, seien nie akzeptabel. Dies gelte auch unabhängig davon, von wem sie kämen und ob sie unter dem Deckmantel des Humors geäußert würden.
Derweil wurden in mehreren türkischen Städten Gebäude des Koç-Konzerns mit Schusswaffen angegriffen, vermutlich als Reaktion auf seine Äußerung. Türkische Behörden leiteten Ermittlungen ein, mehrere Verdächtige wurden festgenommen.
Rahmi Koç hat sich unterdessen auf X zu Wort gemeldet und zeigt sich reuig: „Ich entschuldige mich aufrichtig für meine Worte, mit denen ich nicht beabsichtigte, eine Bevölkerungsgruppe zu treffen. Ich möchte mein aufrichtiges Bedauern darüber teilen.“



