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Drogenkriminalität in der Türkei auf Rekordniveau – Polizei und Justiz unter Druck

  • Februar 3, 2026
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Drogenkriminalität in der Türkei auf Rekordniveau – Polizei und Justiz unter Druck

Die Türkei hatte im Jahr 2025 einen massiven Anstieg von Drogenkriminalität zu verzeichnen. Festnahmen, Beschlagnahmungen und die Zahl drogenbedingter Gefängnisstrafen erreichen trotz schärferer Grenzkontrollen und zahlreicher Razzien historische Höchstwerte. Experten warnen vor wachsendem sozialem Druck auf Gesundheitssystem und Strafvollzug.

Im Vorjahr hatte die Türkei einen erheblichen Anstieg im Bereich der Drogenkriminalität zu verzeichnen – der sich auch in den offiziellen Zahlen abbildete. Obwohl die Regierung einen härteren Kurs mit groß angelegten Polizeirazzien angekündigt hatte, weitete sich der Schwarzmarkt immer weiter aus. Das Jahr 2025 war gekennzeichnet von einem deutlichen Anstieg der Zahl an Festnahmen, Beschlagnahmen und drogenbedingten Gefängnisstrafen.

Registrierte Drogendelikte betreffen hauptsächlich privaten Konsum

Zwischen Januar und Dezember kam es Innenminister Ali Yerlikaya zufolge zu mehr als 43.500 Festnahmen im Zusammenhang mit Drogendelikten. In zweieinhalb Jahren seit Mitte 2023 waren es insgesamt mehr als 100.000. Der Minister sieht die höheren Zahlen nicht als Ausdruck eines anwachsenden Drogenproblems, sondern als Erfolg einer konsequenteren Politik mit größer angelegten Polizeioperationen.

Eine vollständige Analyse aller strafbaren Handlungen im Kontext von Drogen steht für 2025 noch aus. Im Jahr davor kamen insgesamt 309.000 Drogendelikte zur Anzeige. Von diesen betrafen 258.141 und damit etwa 83,5 Prozent den persönlichen Gebrauch. In etwa 44.000 Fällen ging es um Schmuggel.

Die Türkei ist traditionell eine Kreuzung wichtiger Schmuggelrouten. Heroin aus Afghanistan, synthetische Drogen aus Europa sowie Kokain und Cannabis aus Lateinamerika nehmen häufig den Weg über den Bosporus. Netzwerke sind im Land verankert, Organisationen wie die PKK finanzierten einen Teil ihres Kampfes mit Drogengeldern.

Milliardenschwerer illegaler Markt in der Türkei

Im November des Vorjahres berichtete Handelsminister Ömer Bolat über die Entwicklungen im Zollwesen. Die entsprechenden Behörden hatten an den Landesgrenzen im Laufe des Jahres bis zu diesem Zeitpunkt Betäubungsmittel im Wert von 40,118 Milliarden Lira beschlagnahmt. Das Gesamtgewicht der konfiszierten Ware lag bei 30,1 Tonnen. Bolat nannte die Zahlen der Zollbehörden, die dem Handelsministerium unterstehen. Anderswo aufgebrachte Drogenlieferungen, die Sache von Polizei, Gendarmerie und Küstenwache sind, sind in der Zahl nicht enthalten.

Die Summe der Bargeldbestände im Zusammenhang mit der Drogenwirtschaft im Jahr 2024 belief sich auf 32 Milliarden türkische Lira (ca. 617,6 Millionen Euro). Zudem konfiszierte die Polizei in jenem Jahr 251 Fahrzeuge und 640 Immobilien, die im Zusammenhang mit Drogengeschäften stehen sollen. Das Ausmaß dieser Beschlagnahmungen deutet auf einen milliardenschweren illegalen Markt hin.

Mehr als ein Drittel der Drogentoten 2024 unter 30 Jahre alt

Dennoch fällt auf, dass sich die Durchsetzungsmaßnahmen eher auf Endnutzer denn auf Liefernetzwerke oder Bosse beziehen. Regierungsnahe Medien schlachteten vor allem Maßnahmen gegen Prominente aus, die beim Drogenkonsum ertappt wurden. Von allen Gefängnisinsassen in der Türkei sind etwa 40 Prozent wegen Drogendelikten inhaftiert. Große Händler oder Kartellfiguren befinden sich jedoch nur selten darunter.

Therapieplätze sind in der Türkei kaum vorhanden. Es gibt zwar 143 Behandlungszentren für Suchtkrankheiten, aber nur 1.582 stationäre Betten. Die Zahl der Behandlungsanfragen steigt, allerdings auch die derjenigen, für die sie zu spät kommen: 2024 wurden 427 Drogentote registriert – das Durchschnittsalter betrug 34,7 Jahre. 160 davon waren unter 30 Jahre alt.

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