Panorama

Nach Sechsfachmord in Stade: Türkischer Tatverdächtiger tot aufgefunden

  • Juli 21, 2026
  • 3 min read
  • 5 Views
Nach Sechsfachmord in Stade: Türkischer Tatverdächtiger tot aufgefunden

Ein aus der Türkei stammender Mann soll in Stade sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe erschossen haben, nun wurde er tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Die Ermittler suchen weiter nach Antworten.

Der mutmaßliche Todesschütze von Stade ist tot. Der 45-jährige türkische Staatsbürger Fatih G., dem die Staatsanwaltschaft den Mord an sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Niedersachsen vorwarf, wurde am Dienstagmorgen leblos in seiner Einzelzelle der Justizvollzugsanstalt Bremervörde aufgefunden. Nach Angaben der Behörden starb er durch Strangulation. Die Ermittler gehen derzeit von einem Suizid aus; Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen bislang nicht vor.

Mit dem Tod des Beschuldigten wird das Mordverfahren gegen ihn eingestellt, da Strafverfahren gegen Verstorbene nach deutschem Recht nicht fortgeführt werden können. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat sowie gegen weitere Beschuldigte laufen jedoch weiter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen weiterhin die Partnerin des Mannes sowie die mutmaßliche Fahrerin des Fluchtwagens im Fokus der Ermittlungen.

Verdächtiger soll sechs Mitarbeiter der Jugendhilfe erschossen haben

Fatih G. soll Ende Juni während eines Gesprächs über das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade das Feuer eröffnet und sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe erschossen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der eskalierte Sorgerechtsstreit das Tatmotiv war. Der Fall hatte in ganz Deutschland und darüber hinaus für Entsetzen gesorgt.

Bereits vor der Bluttat war G. den Behörden bekannt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover wurde gegen ihn und die Mutter des Kindes wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt. Auslöser war der Verdacht, dass die damals wenige Wochen alte Tochter ein Schütteltrauma erlitten haben könnte. Zudem soll G. Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover im Zusammenhang mit der Behandlung des Kindes bedroht haben. Die Eltern bestritten die Vorwürfe. Aufgrund der Verletzungen war den Eltern die Gesundheitssorge entzogen und das Baby gemeinsam mit der Mutter in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht worden. Auch lag dem Vernehmen nach ein Haftbefehl aus der Türkei gegen den Mann vor. In welchem Zusammenhang, ist nicht sicher bekannt.

Faih G. soll bereits unmittelbar nach der Tat Suizidabsichten geäußert haben

Der Suizid des Beschuldigten stößt unterdessen auf politische Kritik. Die CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen fordert eine umfassende Aufklärung der Umstände in der Justizvollzugsanstalt. Nach Angaben der Opposition habe der Mann bereits unmittelbar nach der Tat Suizidabsichten geäußert. Nun müsse geklärt werden, welche Erkenntnisse den Behörden vorlagen und ob die angeordneten Schutzmaßnahmen ausreichend waren. Mit dem Tod des Hauptverdächtigen könnten zudem wesentliche Fragen zum Tatablauf und zu den Hintergründen der Gewalttat unbeantwortet bleiben.

dtj/dpa

**********************************************************************

Die Berichterstattung über Selbsttötung(en) gebietet Zurückhaltung. DTJ-Online berichtet nur in Ausnahmefällen über Suizide, z.B. dann, wenn eine gesellschaftliche Relevanz gegeben ist.

Die Telefonseelsorge hat verschiedene anonyme und vertrauliche Beratungsangebote im Internet. Ein persönliches Gespräch bietet die Telefonseelsorge anonym und rund um die Uhr unter den gebührenfreien Telefonnummern 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 an. Neben Gesprächen am Telefon wird auch der Austausch per Mail oder Chat angeboten. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie vor Ort bei einem Geistlichen, Arzt oder in lokalen Beratungsstellen. Diese finden Sie im örtlichen Telefonbuch über den Allgemeinen Sozialdienst der Stadt oder die Wohlfahrtsverbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und Paritätischer Wohlfahrtsverband. Auch die Ehrenamtlichen des Muslimischen SeelsorgeTelefons (MuTeS) hören bei Problemen zu und unterstützen bei der Suche nach einem individuellen Ausweg – anonym und vertraulich.

About Author

dtj-online