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Haftbefehl in Çanakkale: Erneut stirbt ein Kind nach Pestizideinsatz

  • August 9, 2026
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Haftbefehl in Çanakkale: Erneut stirbt ein Kind nach Pestizideinsatz

Immer wieder gibt es Vergiftungsfälle durch Pestizide in der Türkei. Nun sind zwei Personen verhaftet worden, nachdem ein Kind an einer mutmaßlichen Pestizidvergiftung gestorben ist.

In der westtürkischen Stadt Çanakkale sind der Leiter einer Insektenbekämpfungsfirma und ein Wohnungsinhaber verhaftet worden, nachdem in der benachbarten Wohnung ein 9-jähriger Junge an einer mutmaßlichen Pestizidvergiftung gestorben war.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, hat der Vater das Kind und seine Mutter am Mittwoch bewusstlos in der Wohnung gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Mutter befinde sich weiterhin im Krankenhaus in Behandlung, während der Sohn gestorben sei. Anadolu gibt als mögliche Todesursache den Einsatz von Pestiziden in der angrenzenden Wohnung an. Ein weiterer Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma wurde nach vorübergehender Festnahme wieder freigelassen.

Tod einer deutsch-türkischen Familie sorgte für Schlagzeilen

Pestizide werden in der Türkei häufig eingesetzt, um Bettwanzen oder anderen Insektenbefall in Privatwohnungen zu bekämpfen, doch der Einsatz der Chemikalien ist offiziell streng geregelt. Der Fall einer vierköpfigen deutsch-türkischen Familie aus Hamburg, die im vergangenen Jahr während eines Besuchs in Istanbul in ihrem Hotel vergiftet und kurz darauf gestorben war, löste eine Debatte über die Kontrollen in diesem Gewerbe aus.

Urlaubsfalle Bettwanzengift: Ein wiederkehrendes Problem – und was hilft

Die Familie und die Ärzte im Krankenhaus, das sie aufsuchten, gingen zunächst von einer Lebensmittelvergiftung aus. Kurz darauf starben die 27-jährige Mutter und die Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Nach mehreren Tagen auf der Intensivstation starb auch der 38 Jahre alte Vater. Ein Gutachten stellte später eine Vergiftung durch das Pestizid Aluminiumphosphid fest.

Recherche: Über 30 Vergiftungsfälle in den vergangenen vier Jahren

Ende Juni verurteilte ein Istanbuler Gericht unter anderem den Hotelbetreiber und die Kammerjäger zu langjährigen Haftstrafen wegen „bewusster fahrlässiger Tötung“. Der Anwalt der Familie hatte während des Prozesses gefordert, dass ein hohes Strafmaß in diesem Fall auch die staatlichen Verantwortlichen dazu bringen solle, ernsthafte Schritte einzuleiten und stärkere Kontrollen bei solchen Firmen durchzuführen.

Für die Überprüfung der Firmen und Zertifikate ist das Gesundheitsamt zuständig. Eine Recherche des ZDF berichtete von mehr als 30 mutmaßlichen Vergiftungsfällen in den vergangenen vier Jahren, wovon die meisten bisher nicht juristisch aufgearbeitet seien.

dpa/dtj

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