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„Atatürk“-Krise in Saudi-Arabien: Derby zwischen Fenerbahçe und Galatasaray abgesagt

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Der türkische Supercup-Sieger 2023 wird wohl nicht mehr heute gekürt. Foto: NTV Spor

Paukenschlag: Das für heute Abend geplante Turkcell-Supercup-Spiel zwischen Galatasaray und Fenerbahçe wurde abgesagt. Die ohnehin umstrittene Partie hätte aus Marketingzwecken in Saudi-Arabien stattfinden sollen.

Die endgültige Entscheidung zur Absage des Spiels wurde erst kurz vor Spielbeginn getroffen, nachdem es offenbar Schwierigkeiten bei der Genehmigung von T-Shirts und Bannern gab. Nachdem die Spieler von Galatasaray und Fenerbahçe beabsichtigt haben sollen, während des Aufwärmens T-Shirts mit dem Konterfei von Atatürk, dem Staatsgründer der türkischen Republik, zu tragen und Banner mit politischen Botschaften, die auf Atatürk zurückgehen, zu präsentieren, sollen die saudischen Behörden interveniert haben.

Die Mannschaften und ihre Klubführungen hätten allerdings auf die T-Shirts und die Banner bestanden. Fenerbahçe-Präsident Ali Koç soll wutentbrannt gesagt haben: „Wenn es Atatürk nicht gibt, gibt es auch keine Türkei. Also auch uns nicht und damit auch kein Spiel“. Die Behörden hingegen sollen erklärt haben, dass nur das Singen der türkischen Nationalhymne und die Entfaltung der türkischen Flagge vorgesehen und abgesegnet seien. Andere Elemente, die als politisch oder kontrovers betrachtet werden könnten, seien hingegen nicht erlaubt. Infolgedessen seien die Vereine über die Absage der Partie informiert worden. Live-Bilder zeigten, wie sich das Al-Awwal-Stadion in Riad leerte.

Anteilnahme unter türkischen Vereinen groß

Darüber hinaus wird zur Stunde zwar behauptet, beide Vereine hätten beschlossen, in die Türkei zurückzukehren. Fakt ist jedoch, dass noch keine offizielle Erklärung vorliegt. Sollten sich also die Seiten einigen, könnte die Partie doch noch ausgetragen werden. Derzeit erscheint das allerdings unwahrscheinlich.

Derweil ist die Anteilnahme bei vielen türkischen Fußballvereinen und anderen Institutionen groß. In den sozialen Medien wurden zahlreiche Beiträge mit Bezug zum Nationalhelden geteilt. Sie unterstützen die Haltung der beiden wichtigsten Klubs des Landes, die selten einer Meinung sind.

Auch Trabzonspor meldete sich mit einem Atatürk-Post zu Wort. Quelle: X/Screenshot

Bereits im Vorfeld hatten sich die Verantwortlichen gegen den Austragungsort und auch den Termin positioniert. Der türkische Fußballverband hingegen zeigte sich nicht gesprächsbereit und bestand darauf, dass die Begegnung in der saudischen Hauptstadt stattfindet. Es könnte daher durchaus sein, dass die Vereine, die erst am Sonntag in der Liga aufeinandertrafen (0:0), sich im Vorfeld abgesprochen und die Absage provoziert haben.

Der heutige Vorfall ist nach einer brutalen Attacke auf einen Schiedsrichter, einem Spielabbruch und einer wilden Schlägerei der nächste Eklat im türkischen Fußball innerhalb kürzester Zeit. Der Druck auf den in der Kritik stehenden Verbandsboss Mehmet Büyükekşi dürfte in den kommenden Tagen größer werden.