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Beim BVB gescheitert: Şahin findet in Istanbul zurück in die Spur

  • März 25, 2026
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Beim BVB gescheitert: Şahin findet in Istanbul zurück in die Spur

Bei Borussia Dortmund endete Nuri Şahins erstes großes Trainerprojekt abrupt. In Istanbul hat er nun aus einem taumelnden Team wieder einen Anwärter auf Europa gemacht. Großen Anteil daran hat ein alter Bekannter aus der Bundesliga.

Als Nuri Şahin im Januar 2025 in Dortmund gehen musste, wirkte seine erste große Station als Cheftrainer in Deutschland wie ein klassischer Fehlstart. Ausgerechnet bei dem Klub, mit dem er am engsten verbunden ist, geriet sein Aufstieg auf die Trainerbank zur Enttäuschung. Der BVB steckte tief in der Krise, und Şahin traute man am Ende nicht mehr zu, die Wende herbeizuführen.

Einige Monate später übernahm er in der Türkei erneut eine Mannschaft in schwieriger Lage. Başakşehir Istanbul war bei seinem Amtsantritt im September sportlich schwer angeschlagen: kein Sieg, Abstiegsnähe, ein Team ohne Selbstvertrauen. Die neue Aufgabe ähnelte damit auf den ersten Blick der alten. Nur ist Şahin diesmal offenbar besser gerüstet.

Selkes Comeback

Zunächst sprach wenig dafür, dass die Sache schnell kippen würde. Zwar gelang ihm zum Auftakt ein Erfolg, danach blieb Başakşehir jedoch weiter instabil. Über mehrere Spiele hinweg sammelte der Klub kaum Punkte und rutschte sogar auf einen Abstiegsplatz ab. Doch anders als in Dortmund bekam Şahin diesmal die Zeit, an seiner Struktur zu arbeiten und die Mannschaft Schritt für Schritt neu aufzubauen.

Entscheidend wurde dabei die Rückkehr von Davie Selke. Der Angreifer war im Sommer nach Istanbul gewechselt, fiel zunächst aber verletzt aus. Başakşehir fehlte in dieser Phase ein verlässlicher Zielspieler im Zentrum, jemand, der Präsenz im Strafraum zeigt und den Offensivaktionen Klarheit gibt. Mit Selkes Comeback änderte sich genau das.

Ziel: Internationale Plätze

Şahin führte ihn behutsam heran, doch spätestens im neuen Jahr wurde Selke zu einem der wichtigsten Spieler der Mannschaft. Tore in Serie, spürbarer Einfluss auf das Offensivspiel, dazu eine deutlich verbesserte Punkteausbeute: Mit dem Stürmer gewann Başakşehir an Schärfe und Durchschlagskraft. Aus dem Abstiegskandidaten wurde innerhalb weniger Wochen wieder ein Team mit Blick nach oben.

Inzwischen steht der Klub auf Rang fünf und damit in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen. Vor allem die jüngste Bilanz unterstreicht den Aufschwung: Başakşehir sammelt inzwischen Siege, wo zu Beginn der Saison fast nur Rückschläge standen. Die Mannschaft wirkt stabiler, zielgerichteter und im letzten Drittel deutlich gefährlicher.

Traumduo Selke-Shomurodov

Neben Selke trägt vor allem Eldor Shomurodov zu dieser Entwicklung bei. Der usbekische Angreifer ist einer der produktivsten Offensivspieler der Liga und gibt Şahins Spiel zusätzliche Flexibilität. Dass beide zusammen funktionieren, obwohl Şahin nicht auf ein starres Zwei-Stürmer-System setzt, gehört zu den auffälligsten Details dieser Entwicklung. Selke bindet Gegner, besetzt Räume und arbeitet als klassischer Mittelstürmer. Shomurodov bewegt sich freier, weicht aus, verbindet Angriff und Zwischenräume. Gerade diese Verschiedenheit macht das Duo so wirksam.

So hat Şahin in kurzer Zeit geschafft, woran zu Beginn kaum zu denken war: Er hat nicht nur Ergebnisse verbessert, sondern einer verunsicherten Mannschaft wieder Richtung gegeben. Die Atmosphäre im Klub scheint sich mit den Resultaten verändert zu haben; aus einer bedrückten Ausgangslage ist ein Umfeld geworden, das wieder an eine erfolgreiche Saison glauben kann.

Dass dieser Aufschwung außerhalb des engeren Umfelds nur begrenzte Aufmerksamkeit erzeugt, passt allerdings zu Başakşehir. Der Klub spielt seit Jahren sportlich eine Rolle, bleibt als Verein aber vergleichsweise blass. Auch die Zuschauerzahlen sind weiterhin niedrig. Der Hintergrund des Vereins, seine politische Aufladung und seine künstlich wirkende Entwicklung sorgten nie für breite Identifikation. Für Şahin dürfte es nur eine Zwischenstation sein.

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Stefan Kreitewolf