Ein Sprengstoffexperte in einem speziellen Schutzanzug geht nach dem tödlichen Zwischenfall an einer abgesperrten Straße in Berlin entlang. Foto: Christoph Soeder/dpa

Es ist Berlins wichtigste Einkaufsstraße, das weltbekannte KaDeWe liegt nicht weit entfernt. Am Mittwoch fährt plötzlich ein Auto in eine Menschenmenge. Eine Lehrerin aus Hessen stirbt. Für die Polizei sind noch viele Fragen offen.

Millionen Menschen kennen den Ort in Berlin, an dem sich das Leben für einige am Mittwoch schlagartig verändert – das gilt besonders für eine Schülergruppe aus Hessen. Zwischen der Gedächtniskirche und dem Luxuskaufhaus KaDeWe ist großflächig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

Gegen 10.30 Uhr am Mittwochvormittag gingen vorher Notrufe ein. Ein Auto ist in eine Menschenmenge gefahren. Der silberfarbene Kleinwagen steckt 200 Meter weiter in einem Schaufenster. Das Glas zersplittert, die Scherben sind auf dem Boden verteilt. Dutzende Polizeiautos und Krankenwagen stehen an der Straße. Ein Hubschrauber kreist in der Luft.

Schulklasse aus Bad Arolsen

Etwas entfernt sieht man einen abgedeckten Körper auf der Straße. Es sind Bilder, die einem klar machen, was es bedeutet, wenn jemand aus dem Leben gerissen wird. Viele Opfer des Autofahrers gehören zu einer 10. Schulklasse aus Bad Arolsen in Nordhessen. Die getötete Frau war eine Lehrerin.

Ein weiterer Lehrer wurde schwer verletzt, ebenso eine ganze Reihe von Schülern, einige lebensgefährlich. „Die grausame Amoktat an der Tauentzienstraße macht mich tief betroffen“, schreibt Bundeskanzler Olfa Scholz (SPD) am Abend bei Twitter. „Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin endet im Alptraum.“

Scholz mit „Gedanken bei den Opfern“

Die hessische Landesregierung zeigt sich tief bestürzt. „Diese schockierende Nachricht aus Berlin macht mich fassungslos und tief betroffen. Meine Gedanken sind bei den Opfern, die voller Freude auf einer Klassenfahrt in der Hauptstadt waren“, teilt Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) mit.

Notfallbetreuungsteams seien nach Bad Arolsen geschickt worden, um den Angehörigen, Mitschülern und Lehrern beizustehen. Der Autofahrer wurde nach seiner Tat von Passanten festgehalten, berichtet Polizeisprecher Thilo Cablitz. Die Polizei habe den 29-Jährigen dann festgenommen.

Täter psychisch labil?

Im Laufe des Tages gibt es zunehmend Hinweise, dass es kein Unfall war. In dem Auto, das der Schwester des Fahrers gehört, lagen Polizeiangaben zufolge Türkei-feindliche Schriftstücke und Plakate, wie sie auf Demonstrationen hochgehalten werden. Ob sie tatsächlich dem Fahrer zuzuordnen sind und mit dem Motiv der Tat in Zusammenhang stehen, ist zur Stunde noch unklar. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem „Tatverdächtigen“, der in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Im Moment gebe es keine Erkenntnisse zu einer politischen Motivation. Der Fahrer, ein Deutsch-Armenier, soll psychisch auffällig sein, hieß es von der Polizei. Er soll nach seiner Festnahme um Hilfe gebeten haben.

dpa/dtj