Extremismus Gesellschaft

Bundespolizeibeauftragter besucht NSU-Ausstellung in Köln

  • Februar 27, 2026
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Bundespolizeibeauftragter besucht NSU-Ausstellung in Köln

Die Ausstellung „Von der Nagelbombe bis zum Mahnmal – 22 Jahre danach“ der Initiative „Keupstraße ist überall“ hat neulich hochrangigen Besuch erhalten: Uli Grötsch, seit März 2024 erster Polizeibeauftragter des Bundes, informierte sich vor Ort über das Projekt und seine Bedeutung für die Aufarbeitung des NSU-Anschlags.

Begleitet wurde er am 18. Februar unter anderem von Prof. Dr. Gina Rosa Wollinger von der Hochschule für Polizei NRW, SPD-Bundestagsabgeordnete Sanae Abdi, der Kölner Bürgermeisterin Maria Helmis-Arend, Christian Joisten, Mitglied des Stadtrats Köln für die SPD, sowie Knut Scholz, Mitglied des Rates für die Linke. Durch die Ausstellung führten Karmen Frankl von der „Initiative Keupstraße ist überall“ sowie die beiden Betroffenen des Nagelbombenanschlags, Muhammet Ayazgün und Kemal Gündoğan.

Polizeiarbeit und Perspektivwechsel

Im Zentrum des Besuchs stand die kritische Auseinandersetzung mit der damaligen Ermittlungsarbeit. Über Jahre hinweg konzentrierten sich die Ermittlungen nach dem Nagelbombenanschlag vom 9. Juni 2004 auf das unmittelbare Umfeld der Betroffenen – ein rechtsextremes Motiv wurde lange ausgeblendet.

Der Besuch des Polizeibeauftragten an diesem Ort hat symbolische Kraft: Er steht für das Eingeständnis institutioneller Fehler – und für die Verantwortung, daraus Konsequenzen zu ziehen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten über rechte Gewalt wurde deutlich, dass Erinnerung nicht rückwärtsgewandt ist, sondern in die Gegenwart wirkt.

Ein Projekt mit langfristiger Perspektive

Seit Juni 2025 befindet sich die Ausstellung in der Schanzenstraße 22, nur wenige Schritte von der berühmten Kölner Keupstraße entfernt. Ermöglicht wurde der feste Standort durch das Engagement von Jamestown Europe, das der Ausstellung bis 2029 einen sicheren Hafen bietet und damit ein Förderer dieses gesellschaftlichen Engagements ist. Zudem hat die Stadt Köln, auf Initiative von die Linke, nach Beschluss des Stadtrats 40.000 Euro zur Finanzierung der Mietkosten für das Jahr 2026 bereitgestellt.

Beim Besuch herrschte parteiübergreifend Einigkeit darüber, dass das Projekt langfristig abgesichert werden müsse – als Beratungsstelle, Begegnungsort und Bildungsraum. Diese Forderung wurde auch durch die anwesenden Betroffenen gestellt. „Diese Ausstellung ist ein Ort der Begegnung. Eine Möglichkeit, die jüngeren Menschen positiv zu beeinflussen. Zudem zeigt diese Ausstellung, dass der Anschlag unserer Demokratie galt. Es ist jedermanns Aufgabe, diese Initiative zu unterstützen“, so Kemal Gündoğan.

Mehr als eine Ausstellung

Die Ausstellung „Von der Nagelbombe bis zum Mahnmal – 21 Jahre danach“ wurde gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften der IGIS-Gesamtschule entwickelt. Sie verbindet Dokumente, Filmausschnitte, Objekte und Nachbildungen vom Tatort zu einem multimedialen Erinnerungsraum.

Über 2.000 Schülerinnen und Schüler, Studierende, angehende Polizistinnen und Polizisten, Wissenschafterinnen und Wissenschaftler sowie weitere Menschen aus dem In- und Ausland haben die Räume bereits besucht.

Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Anschlag des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Sie erzählt vom Ankommen in Köln, vom Ringen um Anerkennung – und vom langen Kampf der Betroffenen darum, gehört zu werden.

Erinnerung als Verpflichtung

Dass nun ausgerechnet der Polizeibeauftragte des Bundes die Ausstellung besucht, markiert einen weiteren Schritt im Anerkennungsprozess. Doch Erinnerung allein genügt nicht. Die zentrale Botschaft bleibt: Rechtsextreme Gewalt ist kein abgeschlossenes Kapitel deutscher Geschichte. Sie ist eine fortdauernde Herausforderung.

Die Keupstraße ist nicht nur ein Ort in Köln-Mülheim. Sie ist auch nicht „Klein Istanbul“. Spätestens seit dem Nagelbombenanschlag ist sie ein Prüfstein dafür, wie ernst es diese Gesellschaft mit Gerechtigkeit, Verantwortung und Solidarität meint.

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