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Haluk Levents „Kamikaze-Brief“ aus der Haft

  • Juli 23, 2026
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Haluk Levents „Kamikaze-Brief“ aus der Haft

Haluk Levent gesteht seine Spielsucht, enorme Schulden und unzulässige Finanzgeschäfte zulasten des von ihm gegründeten Vereins Ahbap. Gleichzeitig bestreitet er, Spendengelder veruntreut zu haben. In einem als Abschiedsbrief inszenierten Schreiben greift der inhaftierte Musiker nun den türkischen Justizminister Akın Gürlek persönlich an – und behauptet, die Ermittlungen seien gezielt vorgezogen worden, um eine Rückzahlung an Ahbap zu verhindern.

Der Brief ist bemerkenswert. Auch die Frage des Timings. Haluk Levent will sich nicht als unschuldiges Opfer darstellen, wirkt aber doch kalkuliert larmoyant. Der 57-jährige Rocker demontiert sich teilweise selbst, bezeichnet sich als schlechten Vater, gesteht seine Spielsucht und räumt ein, sich rechtswidrig Geld aus dem Vermögen des Vereins Ahbap geliehen zu haben.

Doch genau darin liegt die Strategie dieses Schreibens: Levent trennt seine persönlichen Verfehlungen strikt von dem schwerwiegenderen Vorwurf, Spendengelder unterschlagen oder für Glücksspiel verwendet zu haben. Seine Botschaft lautet: Er habe Ahbap als eine Art illegale Kreditquelle missbraucht – die Gelder aber zurückzahlen wollen. Die Erdbebenspenden hingegen seien vollständig ihrem Zweck zugeführt worden. Dann geht Levent zum Angriff über. Sein Hauptadressat ist der türkische Justizminister Akın Gürlek.

Seit dem 16. Juli in Untersuchungshaft

Haluk Levent befindet sich seit dem 16. Juli 2026 in Untersuchungshaft. Mit ihm wurden 13 weitere Beschuldigte festgenommen, darunter Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder des Vereins sowie die Juristin Ece Güner und der Influencer Oğuzhan Uğur. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, des organisierten Betrugs und der Geldwäsche. Zudem stehen Verstöße gegen das Vereins- und Steuerrecht im Raum. Eine rechtskräftige Verurteilung liegt nicht vor; für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass Spendengelder über Wechselgeschäfte und private Konten aus dem Verein abgeflossen seien. Auf einem von Levent genutzten Konto seiner Assistentin sollen rund 120 Millionen Türkische Lira aus dem Vereinsvermögen eingegangen sein. Über weitere Konten sollen zwischen 2020 und 2026 Wetten im Umfang von insgesamt 990 Millionen Lira platziert worden sein, bei denen rund 390 Millionen Lira verloren gegangen seien. Das sind bislang Darstellungen der Ermittlungsbehörden, über die noch kein Gericht entschieden hat.

Ein Geständnis mit klar gezogener Grenze

Levent räumt ein, spielsüchtig zu sein. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten habe er gespielt, sich immer weiter verschuldet und Gläubigern teilweise das Zwei-, Drei- oder Vierfache der ursprünglichen Summe versprochen. Aus 35 Millionen Lira Schulden seien innerhalb von sechs Monaten 250 Millionen geworden. Noch schwerwiegender ist sein Eingeständnis, sich im vergangenen Jahr innerhalb von Ahbap „nicht ordnungsgemäß“ verschuldet zu haben. Es habe sich um unzulässige Geschäfte gehandelt, deren Strafbarkeit ihm bewusst sei. Er sei jedoch davon ausgegangen, die Gelder vor der nächsten Prüfung des Innenministeriums zurückzahlen zu können.

Damit bestätigt Levent selbst einen wesentlichen Teil der Vorwürfe: Privatvermögen, persönliche Schulden und Vereinsfinanzen wurden offenbar nicht sauber voneinander getrennt. Er widerspricht jedoch entschieden der Darstellung, er habe die nach den schweren Erdbeben vom Februar 2023 eingegangenen Spenden verspielt oder für sich verwendet. Nicht eine einzige Lira der Erdbebenhilfe sei veruntreut worden, behauptet er. Zugleich fordert er die Behörden auf, sämtliche Belege, Rechnungen und bei Gouverneurs- sowie Landratsämtern hinterlegten Unterlagen offenzulegen.

Die schwerste Anschuldigung: Wurde die Operation gezielt vorgezogen?

Den politisch brisantesten Teil des Briefes bildet Levents direkte Attacke auf Justizminister Akın Gürlek. Levent behauptet, er habe am Freitag, den 10. Juli, die Rückzahlung seiner Verbindlichkeiten gegenüber Ahbap vorbereitet. Dazu hätten Gold im Wert von 50 Millionen Lira, 20 Wohnungen mit einem Wert von 150 Millionen Lira sowie weitere 140 Millionen Lira gehört. Am darauffolgenden Samstag soll Justizminister Gürlek den Geschäftsmann Yüksel Ersoy in dessen Räumlichkeiten in Istanbul-Beylerbeyi besucht haben.

Levent schuldete nach eigenen Angaben auch Ersoy Geld. Bei dem Treffen soll Ersoy den Minister darüber informiert haben, dass Levent am Montag seine Ahbap-Verbindlichkeiten ausgleichen wolle. Daraufhin, so Levents schwerwiegende und bislang unbelegte Behauptung, sei die ursprünglich für später geplante Operation auf Sonntagmittag vorgezogen worden. Damit habe verhindert werden sollen, dass die Rückzahlungen und Eigentumsübertragungen am Montag abgeschlossen werden konnten.

Levent fordert die Überprüfung von Telefonverbindungsdaten, Grundbuchaufnahmen und Kontobewegungen. Er behauptet außerdem, Gürlek habe Ersoy später persönlich aufgefordert, Strafanzeige gegen ihn zu stellen. Für diese Anschuldigungen legt Levent in seinem Brief keine Beweise vor. Bislang ist auch keine öffentliche Stellungnahme Gürleks oder des Justizministeriums zu den konkreten Vorwürfen bekannt.

Gürlek hatte zuvor erklärt, Levent sei wegen eines angeblichen Fluchtversuchs vorzeitig festgenommen worden. Obwohl bereits ein Ausreiseverbot bestanden habe, habe Levent versucht, das Land zu verlassen. Levent wiederum betont, er sei nach der Festnahme seines Bruders freiwillig aus dem Ausland zurückgekehrt.

Der umstrittene Justizminister: Wer ist Akın Gürlek?

Akın Gürlek ist seit dem 11. Februar 2026 türkischer Justizminister. Zuvor war er stellvertretender Justizminister und anschließend Istanbuler Generalstaatsanwalt. Der 1982 in Nevşehir geborene Jurist schloss 2005 sein Studium an der Marmara-Universität ab. Als Vorsitzender mehrerer Istanbuler Strafkammern war er an zahlreichen politisch aufgeladenen Verfahren beteiligt. Unter seinem Vorsitz wurden Selahattin Demirtaş und Sırrı Süreyya Önder wegen Terrorpropaganda verurteilt. Auch die Verfahren gegen Canan Kaftancıoğlu, Mitglieder des progressiven Anwaltsvereins ÇHD und Beschäftigte der Zeitung „Sözcü“ wurden von Kammern unter Gürleks Leitung entschieden.

Besonders umstritten war der Fall des früheren CHP-Abgeordneten Enis Berberoğlu. Gürleks Kammer weigerte sich zunächst, ein Urteil des türkischen Verfassungsgerichts umzusetzen, das eine Verletzung von Berberoğlus Grundrechten festgestellt hatte. Als Istanbuler Generalstaatsanwalt war Gürlek später für eine Behörde verantwortlich, die unter anderem die Ermittlungen gegen Ekrem İmamoğlu, Ümit Özdağ und mehrere oppositionelle Bürgermeister führte.

Für die Opposition ist Gürlek deshalb seit Jahren eine Symbolfigur einer politisierten Justiz. Seine Gegner bezeichneten ihn unter anderem als „mobile Guillotine“. Seine Befürworter hingegen sehen in ihm einen kompromisslosen Juristen, der auch vor mächtigen und populären Beschuldigten nicht zurückschrecke. Haluk Levent greift genau dieses Image auf.

Haluk Levents Brief in vollständiger deutscher Übersetzung

„Freunde, ich bin kein Betrüger. Ich bin noch nie wegen Betrugs verurteilt worden. Wisst ihr, warum? Weil ich jedem – wenn auch verspätet – das Zwei- oder Dreifache zurückgezahlt habe.

Meine Spielsucht kommt von Zeit zu Zeit wieder. Besonders in Zeiten, in denen ich pleitegegangen bin oder bankrott war, spiele ich. Ich verschulde mich dabei sehr hoch. Glücksspiel ist eine sehr schlimme Krankheit. Ich hoffe, dass Kinder aus meinem Leben lernen.

Glücksspiel funktioniert folgendermaßen: Nehmen wir an, du hast 50 Lira Schulden und kannst sie nicht bezahlen. Du bittest jemanden um 20 Lira und versprichst ihm dafür, 50 Lira zurückzuzahlen. Du setzt diese 20 Lira beim Glücksspiel ein, verlierst sie, und deine Schulden steigen auf 100 Lira. Irgendwann endet dieser Kreislauf – und du stehst vollkommen entehrt da.

Die unglaublichen Geschichten darüber, wie ich zugrunde gegangen bin, werde ich später erzählen. Ich bin kein ausreichend guter Mensch. Um wegen meiner Schulden Geld von anderen leihen zu können, biete ich ihnen das Zwei- oder Dreifache als Rückzahlung an. Es ist eben eine Krankheit.

Meine Familie, meine Weggefährten und meine Freunde können sich deswegen für mich schämen. Es gibt noch viele Menschen, denen ich Geld schulde und deren Namen bisher nicht bekannt geworden sind. Ich habe mir von Hunderten Menschen Geld geliehen. Manche wollten keine Zinsen und bekamen nur denselben Betrag zurück. Bei anderen verschuldete ich mich mit dem Drei- oder Vierfachen. Können aus 35 Millionen Schulden innerhalb von sechs Monaten 250 Millionen werden? Ich werde alles später erzählen.

Urteilt über mich wegen meiner Gläubiger, meiner Schulden und weil ich Menschen enttäuscht habe. ABER URTEILT AUF KEINEN FALL WEGEN DER SPENDEN AN DEN VEREIN AHBAP ÜBER MICH.

Meine gesamten persönlichen Schulden gegenüber Ahbap sind im Beschlussbuch des Vereins vermerkt. Ich habe nicht gestohlen! Dass ich mich in diesem Jahr beim Verein verschuldet habe, stimmt.

Aber es gibt noch eine andere Seite. Ich wende mich auch an die Verantwortlichen der Finanzermittlungsbehörde MASAK: Sie sollen die Konten der Menschen prüfen, deren Konten ich zwischen 2017 und 2026 genutzt habe. Nach meiner eigenen Berechnung habe ich aus meiner privaten Tasche mehr als 400 Millionen Lira an Hilfen geleistet und an Ahbap gespendet. Ich habe 1.520 Familien ohne Gegenleistung aus eigener Tasche unterstützt.

Wenn das gelogen ist, sollen sie es sagen! Es gibt Überweisungen über 30.000, 10.000 und 100.000 Lira. Außerdem finanziere ich seit neun Jahren für 17 Mädchen und einen Jungen, die Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren, den Besuch der besten Schulen und bezahle ihre Mieten, damit sie sich am Leben festhalten können.

Ich erzähle das zum ersten Mal. Denn im Fernsehen wird behauptet, diese kleineren Geldbeträge seien an Mitglieder einer Organisation überwiesen worden. Dabei handelt es sich um arme Familien mit kranken und verletzten Kindern – nicht um Organisationsmitglieder. MASAK soll das bitte offenlegen.

Ich bin ein schlechter Vater. Ich bin meinem Ruhm, meinem Ehrgeiz und meinen Schwächen erlegen. Im vergangenen Jahr bin ich maßlos geworden. Wenn ich mir selbst nicht verzeihen kann, erwarte ich auch von niemand anderem, mir zu verzeihen.

Meine Künstlergeschwister, mit denen wir uns während der Erdbebenzeit bei Ahbap versammelt haben, liebe Spenderinnen und Spender des Vereins Ahbap, liebe Freunde, meine in Adana lebenden Schwestern, Neffen, Nichten und Verwandten …

Bitte senkt eure Köpfe nicht. Ihr könnt erhobenen Hauptes dastehen. Denn ich habe die an den Verein Ahbap geleisteten Spenden nicht verraten. Von den Geldern aus der Erdbebenzeit wurde nicht eine einzige Lira gestohlen.

Im vergangenen Jahr habe ich mich innerhalb des Vereins auf nicht ordnungsgemäße Weise verschuldet. Welche Straftat das darstellt und welche Strafe darauf steht, ist klar. Für 50 Millionen Lira gab es Gold und ein Grundstück als Sicherheit. Ich besaß die Möglichkeit, alles wieder an seinen Platz zu legen, bevor die Prüfung des Innenministeriums begann. Ich brauchte lediglich etwas Zeit.

Denn im vergangenen Jahr verfünffachten sich die Schulden nach dem Prinzip: hier etwas nehmen und dort einsetzen, dort etwas nehmen und an anderer Stelle einsetzen. Ich habe eine unzulässige Handlung begangen, dachte aber, ich würde meine Schulden ohnehin vor der Prüfung begleichen.

Danach wurde ich vor Gericht wegen meiner persönlichen Schecks verurteilt. Mein Bruder wurde im Zusammenhang mit der Akte der Stadtverwaltung Şile festgenommen. Zu dieser Zeit war ich im Ausland und kehrte sofort zurück. Denn ich wusste, dass ich als Nächster an der Reihe sein würde.

Am vergangenen Freitag, dem 10. Juli 2026, begann ich damit, die Beträge zurückzuzahlen, die ich mir auf unzulässige Weise von Ahbap geliehen hatte. Ich wusste, dass man mich festnehmen würde, weil mein Reisepass bereits mit einer Sperre belegt worden war. Jedenfalls hatte ich am Freitag alles vorbereitet, was ich Ahbap zurückzahlen musste: Gold im Wert von 50 Millionen Lira.

Außerdem schickte ich einen Mitarbeiter des Vereins Ahbap zum zuständigen Leiter in Çerkezköy. Als Gegenleistung für meine Schulden wurde die Eintragung von 20 Wohnungen mit jeweils drei Zimmern und einem Wohnzimmer eingeleitet. Ihr heutiger Gesamtwert beträgt 150 Millionen Lira. Leider konnten die Vorgänge am Freitagabend nicht mehr abgeschlossen werden und wurden deshalb auf Montag verschoben. Die Telefonverbindungsdaten und die Aufnahmen beim Grundbuchamt werden meine Darstellung bestätigen.

Auch die noch fehlenden 140 Millionen Lira hatte ich vorbereitet. Es wird Menschen geben, die das nicht glauben. Am Freitag, dem 10. Juli, gingen 140 Millionen Lira auf dem Konto von Zafer Yay bei der Halkbank in Ataşehir ein. MASAK kann das bestätigen.

Alles war vorbereitet. Dann kam ein Anruf. Es war der Geschäftsmann Yüksel Ersoy. Auch ihm schuldete ich Geld, das ich nach und nach zurückzahlte. Er ist ein herzensguter Mensch, sein Sohn ebenfalls – das muss man ihm lassen.

Am Telefon fragte er mich: „Was hast du gemacht?“ Ich antwortete: „Abi, ich habe die Fehlbeträge bei Ahbap ausgeglichen. Selbst wenn ich jetzt sterben sollte, würde ich nichts mehr bedauern.“ Ich sagte ihm, dass ich am Montag zu ihm kommen würde, um die Rückzahlung meiner Schulden zu besprechen.

Wisst ihr, was dann geschah?

Am späten Samstagnachmittag begab sich der verehrte Minister Akın Gürlek in die Räumlichkeiten von Yüksel Ersoy. Nehmen wir an, es war Zufall. Das Gespräch kam auf mich. Yüksel Bey erzählte dem Minister von Ahbap und davon, dass ich die offenen Beträge in den Ahbap-Konten ausgleichen würde.

Und wisst ihr, was danach geschah? Damit ich meine Schulden am Montag nicht bezahlen konnte, wurde die „Ahbap-Operation“ auf Sonntagmittag vorgezogen. Dabei wissen Sie, dass solche Operationen gewöhnlich zeitgleich in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden.

Damit ich den Montag nicht mehr erreiche und die Mitarbeiter des Vereins Ahbap die Grundbuchvorgänge am Montag nicht abschließen können, nahmen sie mich am Sonntag in Bursa fest. Eine unglaubliche Intrige!

Herr Minister Akın Gürlek, können Sie behaupten: „Ich war nicht in Beylerbeyi und habe mich nicht mit Yüksel Ersoy getroffen“?

Das werden Sie nicht können. Denn die Telefonverbindungsdaten befinden sich bereits in den Händen des Staates.

Herr Minister, was könnten Sie in seinen Räumlichkeiten mit einem Menschen besprochen haben, mit dem ich in einem Schuldverhältnis stehe? Anschließend wurde ich festgenommen. Wäre ich nicht festgenommen worden, hätten sie nach dem Montag nicht mehr behaupten können, ich hätte Geld von Ahbap gestohlen. Sie wollten nicht, dass ich meine unzulässigen Schulden gegenüber dem Verein begleiche.

Schauen wir uns die Nachrichten vom Abend meiner Festnahme an: Unter Berufung auf einen angeblichen MASAK-Bericht hieß es, ich hätte „sieben Milliarden beim Glücksspiel verloren“. Damit manipulierten sie alle. Sie nahmen unschuldige Menschen fest, die nicht eine einzige Lira vom Verein erhalten hatten.

Mensch, Ece Güner!

Das einzige Vergehen einer der besten Juristinnen der Türkei bestand darin, mir Geld zu leihen und es zurückzuverlangen – wobei ich es ihr nur mühsam und in mehreren Teilen zurückzahlen konnte. Sie hat sich auch hart über mich geäußert, und sie hat damit recht. Mit dem Verein hat sie nicht das Geringste zu tun. Aber allein weil sie auch als juristische Beraterin İmamoğlus gearbeitet hat, wurde sie ebenfalls festgenommen.

Als ich diese Dinge während meiner Vernehmung erzählen wollte, nahm Polizeidirektor Ertan meine Aussagen über den Minister nicht auf. Er ging hinaus und rief den Staatsanwalt an. Er berichtete dem Staatsanwalt auch von der Angelegenheit um Yüksel Ersoy.

Wisst ihr, was danach geschah? Der verehrte Minister Akın Gürlek nahm sofort Kontakt zu Yüksel Bey auf und forderte ihn auf, Strafanzeige gegen mich zu stellen. Schaut rückblickend auf den Dienstag, an dem meine polizeiliche Aussage aufgenommen wurde. Dann werdet ihr alles erkennen. Noch am selben Abend erstattete Yüksel Ersoy Strafanzeige. Eine gewaltige Intrige. Eine gewaltige!

Drei Tage lang erzählte man euch, wie die sieben Milliarden des Vereins Ahbap beim Glücksspiel verloren worden seien. Man sprach von MASAK-Berichten. Danach hieß es: „Nein, nein, er hat 990 Millionen genommen und damit gespielt.“ Anschließend hieß es: „Nein, nein, er hat 80 Millionen gestohlen.“

Aber die Leidtragenden waren ich, die Mitarbeiter und Freiwilligen von Ahbap, die Spender, die den Verein unterstützenden Künstler, meine Familie und meine Geschwister.

Jetzt wende ich mich an den verehrten Minister Akın Gürlek: Die Staatsanwälte, Richter und Anwälte im Gerichtsgebäude haben Ihnen einen Namen gegeben: „Ekber“. Sie haben solche Angst vor Ihnen – was sollen sie auch tun?

„Ekber“ bedeutet in manchen Sprachen angeblich auch „Gott“. Herr Minister, Sie haben unschuldige Menschen festnehmen lassen, ohne die Unschuldsvermutung zu beachten. Vergessen Sie nicht: Es gibt einen Gott, der größer ist als Sie. Eines Tages werden Sie mit der Gerechtigkeit Gottes konfrontiert werden.

Herr Minister – und meine journalistisch arbeitenden Freunde sollten jetzt genau lesen:

Im März 2025 führten der dem Innenministerium unterstellte Chefinspekteur I. S. und vier weitere Prüfer wegen desselben MASAK-Berichts über bestimmte Personen eine unangekündigte Razzia bei Ahbap durch. Sie blieben drei Monate im Verein, befragten alle Beteiligten und untersuchten sämtliche Konten.

Sie berichteten dem Ministerium, dass die Konten von Alper Çelik, Zafer Yay und Emrah Gödeliner sowie die dortigen Ein- und Auszahlungen nichts mit dem Verein Ahbap zu tun hätten, sondern mit den privaten Schuld- und Forderungsverhältnissen Haluk Levents.

Herr Minister, warum lassen Sie die Inspekteure, die diese Berichte verfasst haben, nicht ebenfalls festnehmen?

Schließlich haben Sie mich mit der Lüge, ich hätte sieben Milliarden beim Glücksspiel verloren, der öffentlichen Hetze und den Beschimpfungen ausgeliefert. Werden Sie das Notwendige unternehmen? Was wird das Innenministerium dazu sagen?

Herr Minister, die während der Erdbebenzeit geleisteten Hilfen in Milliardenhöhe sind bei den Gouverneurs- und Landratsämtern registriert. Sollten wir auch nur eine Lira gestohlen haben, dann müssten wir sie gemeinsam mit diesen Behörden gestohlen haben.

Werden Sie sämtliche Belege und Rechnungen aus der Erdbebenzeit sowie die Höhe aller geleisteten Hilfen in einer Presseerklärung öffentlich machen?

Warum haben Sie mich in ein anderes Gefängnis verlegen lassen, obwohl meine Schuld noch nicht festgestellt ist, während die Täter im Mordfall Ahmet Minguzzi per Video mit ihren Familien sprechen dürfen? Meine Tochter Ela leidet unter einer Verhaltensstörung und braucht mich. Ich glaube daran, dass Gottes Gerechtigkeit eines Tages jeden erreichen wird.

Herr Minister, Sie sind Jurist. Warum haben Sie mich wegen Betrugs festnehmen lassen, weil Hüseyin Başaran mir eine Immobilie im Wert von 22 Millionen Dollar für 60 Millionen Dollar verkauft hat, obwohl in den Bankunterlagen vermerkt ist, dass ich vier Millionen Dollar im Voraus bezahlt habe, die einjährige Laufzeit des Schuldscheins noch nicht abgelaufen war und weder vor einem Zivilgericht noch in einem Vollstreckungsverfahren Schritte gegen mich eingeleitet worden waren?

Selbst Rechtsreferendare sind darüber erstaunt und schreiben ununterbrochen darüber. Mit welchem Gesetz wollen Sie das erklären?

Herr Minister, festgenommene Menschen vertrauen dem Staat im Vertrauen auf dessen Ehre die PINs ihrer Mobiltelefone an. Ihre Staatsanwälte spielen jedoch bereits drei Stunden später private Nachrichten aus diesen Telefonen – private Nachrichten, die keinen Straftatbestand enthalten – dem Journalisten Burak Doğan von der Zeitung „Yeni Şafak“ zu.

Eine nach Klatsch und Tratsch gierende Gesellschaft wird damit tagelang beschäftigt. Sie haben die Vertraulichkeit des Staates zerstört. Sie haben die Sicherheit des Staates zerstört.

Herr Minister! Einer der Gründe für meine enorme Verschuldung liegt im Jahr 2023. Das Erdbeben hat in Wahrheit vor allem mich getroffen.

Sie wollten nicht, dass ich offenlege, welchen Menschen ich aus Angst Geld gegeben habe, nur damit „Ahbap nicht beschlagnahmt wird“. Doch nichts bleibt für immer verborgen. Diese Informationen werden ohnehin über diese Seite veröffentlicht werden.

Auch wird offengelegt werden, wer im Rahmen von Wuchergeschäften wie viele Lira gegeben und wie viel zurückerhalten hat.

Herr Minister, ich weiß, dass ich von heute an kein Tageslicht mehr sehen werde. Wer sollte Angst haben vor einem spielsüchtigen Musiker, vor einem Dummkopf, der sich Geld leiht und dafür Schuldscheine über das Zwei- oder Dreifache unterschreibt?

Ich weiß, dass mein Ende besiegelt ist, weil ich Ihnen diese Sätze gesagt habe. Ich weiß, was mir widerfahren wird. Obwohl ich in dieser Akte höchstens wegen eines Verstoßes gegen das Vereinsgesetz vor Gericht stehen dürfte, weiß ich, dass Sie mich von nun an lebenslang im Gefängnis halten werden – allein weil ich nicht geschwiegen und über diese Intrige geschrieben habe.

Von heute an werden Sie alle Menschen festnehmen, mit denen ich in einem Schuld- oder Forderungsverhältnis stehe. Sie werden alles Mögliche über mich produzieren und 350 oder 400 Jahre Haft fordern.

Dann sperren Sie mich eben für 1.000 Jahre ein. Tun Sie es – wenn nicht, haben Sie keine Ehre! Ich werde nicht schweigen!

Herr Minister, wagen Sie es nicht, die Anklageschrift zu verändern. Formulieren Sie sie vor den Augen des gesamten Volkes folgendermaßen: „Er hat die Erdbebengelder beim Glücksspiel verloren und sieben Milliarden veruntreut.“

Denn genau mit dieser Behauptung haben Sie mich der Gesellschaft vorgeworfen und öffentlich verurteilt. Stehen Sie hinter Ihren Worten! Behaupten Sie später bloß nicht: „Das habe ich nicht gesagt, ich habe lediglich erklärt, dass ein Verdacht bestand.“

Sie sind nicht nur der Justizminister der AKP. Sie sind der Justizminister aller Bürgerinnen und Bürger. Warum haben Sie der Gesellschaft nicht gesagt: „Hört auf, Freunde, was macht ihr da?“ Weil Ihnen diese Situation gelegen kam.

Vergessen Sie nicht: Wenn Sie Pläne haben, dann hat auch das Leben Pläne für Sie.

Herr Minister, lassen Sie die Mitglieder des Vereins Ahbap frei! Lassen Sie unsere unschuldigen Vorstandsmitglieder frei!

Die Renovierungsarbeiten in Malatya sollten in diesem Monat abgeschlossen werden. Nach den Häusern in Nurdağı sollten die Wohnungen in Malatya übergeben werden. Lassen Sie nicht zu, dass sich jemand Ahbap bemächtigt.

Als Nächstes stehen unsere Schulen und Jugendzentren an. Lassen Sie die anderen diese Arbeiten fortführen. Halten Sie mich meinetwegen 500 Jahre im Gefängnis – aber lassen Sie sie frei.

Liebe Freunde, ihr habt inzwischen verstanden, in welch schwieriger Lage ich mich befinde. Wir werden gemeinsam sehen, was mir von nun an widerfahren wird. Aber ein spielsüchtiger Musiker wird sich ihnen nicht geschlagen geben.

Sie werden mich monatelang bearbeiten. Bevor sie es tun, sage ich es selbst: Ich bin bankrottgegangen und kam nicht mehr heraus. Ich habe kein gutes Leben geführt. Ich habe an der Börse spekuliert, Sportwetten abgeschlossen und Glücksspiel betrieben.

Bitte sehr: Hiermit gestehe ich all meine Schändlichkeiten. Es gibt an mir keine einzige liebenswerte Seite.

Aber ich wiederhole: Von Ahbap wurde in keiner Weise Geld an Personen überwiesen, damit diese sich einen unrechtmäßigen Vorteil verschaffen konnten. Alles, was ans Licht kommt, wurde durch Einträge im Beschlussbuch dokumentiert.

Sie haben diese Intrige nicht nur gegen mich, sondern auch gegen euch, die Spenderinnen und Spender von Ahbap, inszeniert.

Fordert eure Rechte ein! Schreibt an die Gouverneursämter und das Innenministerium. Verlangt für die gesamten Ausgaben während der Erdbebenzeit jeden einzelnen Beleg und jede einzelne Rechnung.

Nachdem ich derart beschädigt worden bin, wird vielleicht niemand mehr hinter mir stehen. Sie hätten dafür Verständnis. Aber ihr solltet eure eigenen Rechte einfordern!“

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