Archivfoto: Die türkische Popsängerin Gülşen während eines Konzerts. Foto: Uncredited/Depo Photos/AP/dpa

Der populären türkischen Popsängerin Gülşen drohen wegen eines Spruches über religiöse Bildungseinrichtungen bis zu drei Jahre Haft.

In der am Freitag veröffentlichten Anklageschrift werde dem Popstar öffentliche Volksverhetzung zur Last gelegt und eine Gefängnisstrafe zwischen einem und drei Jahren gefordert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Anklageschrift muss noch vom Gericht angenommen werden.

Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit Äußerungen auf einem Konzert im April, bei dem die Sängerin laut eigenen Angaben scherzhaft gesagt hatte, die „Perversität“ eines Kollegen sei auf dessen Zeit an einer Imam-Hatip-Schule zurückzuführen. Diese Schulen sind staatliche Bildungseinrichtungen, die ihren Schwerpunkt auf eine religiöse Ausbildung legen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan etwa war Schüler einer solchen Schule. Aufgrund der zunehmenden Zahl der religiösen Schulen werfen Kritiker der Regierung eine verstärkte Islamisierung der offiziell laizistischen Türkei vor.

Antrag auf Aufhebung des Hausarrestes abgelehnt

Gülşen Bayraktar Çolakoğlu, wie sie mit vollem Namen heißt, war vergangene Woche verhaftet worden und wenige Tage später in den Hausarrest entlassen worden – unter anderem mit dem Verweis, dass keine Fluchtgefahr bestehe und die 46-Jährige sich um ein Kind kümmern müsse, so Anadolu. Ein Antrag ihres Anwalts auf Aufhebung des Hausarrests wurde am Donnerstag abgelehnt, schrieb die Agentur. Das Vorgehen gegen die beliebte Sängerin hatte nicht nur unter Künstlern im Land große Empörung ausgelöst.

Gülşen ist neben ihrer Musik für ihre öffentliche Solidarisierung mit LGBT+ bekannt und wurde auch dafür bereits mehrfach aus religiösen und Pro-Regierungskreisen kritisiert. An diesem Samstag wollen aus Solidarität mit ihr Mitglieder ihres Orchesters und mehrere ihrer Vokalisten in Izmir, wo sie heute eigentlich ein Konzert gegeben hätte, auftreten und ihre Lieder spielen und singen.

dpa/dtj