Sechs Jahre nach rassistischer Tat: Stilles Gedenken in Hanau und andernorts
Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau haben Angehörige und Vertreter der Stadt, des Landes Hessen und des Bundes mit einem stillen Gedenken an die neun ermordeten Menschen erinnert. An den beiden Tatorten wurden Kränze niedergelegt.
Auch an den Gräbern der Ermordeten – in Offenbach, Dietzenbach (Kreis Offenbach) sowie im Ausland, unter anderem in der Türkei, in Rumänien und in Bulgarien – waren Kranzniederlegungen geplant. Am späten Abend soll in Hanau mit brennenden Kerzen an den Tatorten der Opfer gedacht werden.
Die stille Form des Gedenkens in diesem Jahr sei in Abstimmung mit den Angehörigen gewählt worden, erklärte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) nach der Gedenkveranstaltung. Eine öffentlichkeitswirksamere Form der Erinnerung werde voraussichtlich zum zehnten Jahr wieder stattfinden. Zum fünften Jahrestag des Anschlags hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Hanau bei einer großen Gedenkfeier eine Rede gehalten.
„Schrecklichster Tag in Friedenszeiten“
Der 19. Februar 2020 sei der „schrecklichste Tag, den diese Stadt in Friedenszeiten erlitten hat“, sagte Kaminsky und rief zu einem entschlossenen Kampf gegen die Feinde der Demokratie auf. Als Vertreterin der Bundesregierung war die Integrations-Staatsministerin und Beauftragte für Antirassismus, Natalie Pawlik, nach Hanau gekommen.
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erklärte in einer Mitteilung, die Landesregierung werde das Gedenken an die Toten lebendig halten und den Einsatz gegen Rassismus, Extremismus und Menschenfeindlichkeit fortsetzen. „Das Erinnern ist mehr als nur Rückschau, es ist Auftrag und Verpflichtung zugleich“, sagte er.
Gedenkveranstaltungen auch in anderen Städten
Weitere Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen sind nach Angaben der Initiative 19. Februar, in der sich Angehörige und Freunde der Opfer sowie deren Unterstützer zusammengeschlossen haben, in vielen deutschen Städten geplant. Dazu zählen unter anderem Berlin, Köln, München, Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Darmstadt.
In Hanau hatte am 19. Februar 2020 ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Jüngst starb mit İbrahim Akkuş ein weiterer Betroffener der verhängnisvollen Nacht. Er war bei dem Anschlag schwer verletzt worden. Acht Mal hatte der Täter auf ihn geschossen.
dpa/dtj



