Syrien: Erneut Gefechte zwischen Kurden und Regierungstruppen
In Syrien ist es erneut zu tödlichen Gefechten zwischen kurdischen Kämpfern und Mitgliedern der Übergangsregierung gekommen. Beide Seiten werfen sich gegenseitige Angriffe vor.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte griffen Truppen, die dem syrischen Verteidigungsministerium unterstehen, in Aleppo im Norden des Landes Stellungen der kurdischen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an. Dabei soll ein Mensch getötet worden sein. Die SDF bestätigten den Angriff.
Das Verteidigungsministerium kommentierte diesen Angriff nicht. Es meldete jedoch einen Angriff der SDF auf eine ihrer Stellungen in einem anderen Stadtteil Aleppos. Dabei sei ein Mitglied der Regierungstruppen getötet und drei weitere verletzt worden sein. Aus Krankenhauskreisen hieß es, dass bei Beschuss der SDF auch zwei Frauen getötet und ein Kind verletzt wurde.
Vereinbarung zur Kurden-Eingliederung bisher nicht umgesetzt
Die SDF warfen der Regierung unterstehenden und mit der Türkei verbündeten Milizen zudem vor, unter anderem auch in Deir Harif in der Provinz Aleppo mit Mörsergranaten, schweren Waffen und Kamikazedrohnen angegriffen zu haben. Die SDF sprachen von einer „klaren und vorsätzlichen Eskalation“, während das Verteidigungsministerium die Auseinandersetzungen als „weiteren Verstoß gegen Vereinbarungen“ bezeichnete.
Nach dem Umbruch in Syrien hatten sich die Übergangsregierung und die Kurden im Nordosten des Landes im März darauf geeinigt, dass die bisher selbstverwalteten kurdischen Gebiete in die staatliche Ordnung eingebunden werden. Bisher wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt. Eigentlich galt nach Ansicht der Regierung eine Frist zum Jahresende 2025, um konkrete Maßnahmen auszuhandeln und umzusetzen.
Spannungen zwischen Regierung und Kurden
Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. In ihrem Konflikt mit der Regierung in Damaskus geht es vor allem um die Frage, wie viel Autonomie und welche Rechte sie erhalten, aber auch um Ressourcen. Im Nordosten liegen die meisten Öl- und Gasreserven des Landes. Damaskus strebt eine Zentralregierung an, die auch den Nordosten umfasst.
Die Türkei als einer der wichtigsten Unterstützer der Regierung in Damaskus erhöht ebenfalls den Druck im Nachbarland. Zwischen Truppen der Regierung und den SDF kam es in vergangenen Wochen immer wieder zu Kämpfen im Raum Aleppo mit Toten und Verletzten.
dpa/dtj



