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Tod von „Kürt Mehmet“ sorgt für Polizei-Großeinsatz in Berlin – und Machtvakuum?

  • Januar 26, 2026
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Tod von „Kürt Mehmet“ sorgt für Polizei-Großeinsatz in Berlin – und Machtvakuum?

Der Tod des als „Kürt Mehmet“ bekannten Unternehmers Mehmet Kaplankıran hat die Berliner Sicherheitsbehörden alarmiert. Seine Beerdigung in Neukölln wurde von einem Großeinsatz der Polizei begleitet. Ermittler warnen vor einer möglichen Eskalation innerhalb der organisierten Kriminalität – insbesondere im Glücksspielmilieu.

Einen Großeinsatz der Polizei und eine Teilnahme von etwa 1.000 Menschen löste am Freitag die Beerdigung des Unternehmers Mehmet Kaplankıran auf dem Luisenfriedhof Berlin aus. Die dazugehörige Zeremonie fand in der Şehitlik-Moschee in Neukölln statt. Bekannt war der Mann, der Medienberichten zufolge am 20. Januar im Alter von 62 Jahren verstarb, als „Kürt Mehmet“.

Kaplankıran, der 1963 in Bingöl geboren war, kam im Alter von 17 Jahren nach Deutschland. In Berlin absolvierte er eine Ausbildung im Bereich des Maschinenbaus. Zu erheblichem Reichtum sollte er jedoch als Geschäftsmann in einem anderen Bereich bringen: „Kürt Mehmet“ („Mehmet der Kurde“) baute sich ein Imperium auf, das am Ende aus der Wettkette „Wettarena“, 14 Wettbüros sowie Restaurants und Immobilien bestand.

GdP spricht von „Schaulaufen der Organisierten Kriminalität“

Inwieweit gegen Kaplankıran selbst gerichtliche Verurteilungen vorliegen, ist ungewiss – über öffentlich dokumentierte Vorstrafen ist nichts bekannt. Dennoch gilt es aufgrund von Berichten deutscher wie türkischer Polizeibehörden als gesichert, dass in dem Milieu, in dem „Kürt Mehmet“ agierte, die Grenzen zwischen legalem und illegalem Wettbetrieb fließend waren. Der häufig als „bahis/kumar baronu“ („Wettbaron“) bezeichnete Unternehmer galt als „in der organisierten Kriminalität verankert“.

Zu den ersten Personen, die kondoliert hatten, gehörte der als Mafiaboss bekannte Sedat Peker. Zum Begräbnis erschienen zahlreiche Angehörige bekannter Berliner Großfamilien, deren Namen ebenfalls häufig im Kontext organisierter Kriminalität genannt werden – wie Remmo oder El-Zein. Von einem „Schaulaufen der Organisierten Kriminalität“ sprach der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro.

Die Trauerzeremonie selbst lief ohne Zwischenfälle ab, und bislang deutet auch nichts darauf hin, dass „Kürt Mehmet“ eines unnatürlichen Todes gestorben wäre. Dennoch erfüllt das Ableben der Glücksspielgröße die Sicherheitsbehörden mit Sorge. Dies hat vor allem mit der Vorgeschichte des Todesfalls zu tun.

Vertrauter starb bei Schießerei im Oktober 2025 – Schüsse auf Familienvilla zwei Monate später

Erst am 20. Dezember des Vorjahres feuerten Unbekannte etwa 20 Schüsse auf Kaplankırans Villa in Berlin. Zuvor wurde sein enger Vertrauter Serdar Günay auf offener Straße erschossen. Ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen wird von der Polizei als denkbar angesehen.

Türkische Medien berichten über einen möglichen Konflikt mit der sogenannten Daltonlar-Gruppe, benannt nach Orhan K., der auch unter dem Namen „Dalton Keleş“ auftritt. Günay soll im Oktober des Vorjahres bei einer Schießerei mit Angehörigen der Dalton-Gruppe auf offener Straße in Hannover ums Leben gekommen sein.

Die Daltonlar gelten als in der Türkei, auf dem Balkan und in EU-Staaten organisierte, teils transnational agierende Gruppierung. Sie soll unter anderem in Waffenschieberei, Drogenkriminalität und Schutzgelderpressung involviert sein. Eine klare Verbindung zwischen den Vorfällen in Hannover und den Schüssen auf die Villa von „Mehmet Kürt“ ist jedoch auch aus Sicht der Sicherheitsbehörden nicht bewiesen.

Polizei befürchtet Machtvakuum nach Tod von „Kürt Mehmet“

Die Polizei befürchtet, dass der Tod Kaplankırans eine gefährliche Dynamik auslösen könnte. Auf Märkten, die von Kreisen organisierter Kriminalität bespielt werden, könnte ein Vakuum entstehen. In Bereichen wie Wetten, Schutzgeldern, gegebenenfalls auch Drogen, ist es möglich, dass Akteure nun die Chance wittern, Marktanteile an sich zu reißen.

Berlin gilt als wichtiger Knotenpunkt für Personen und Geldflüsse aus Strukturen mit Ursprung in der Türkei oder auf dem Balkan. Persönlichkeiten wie Kaplankıran, die als versierte Netzwerker gelten, wird dabei oft eine „Scharnierfunktion“ zwischen Einwanderermilieus, legalen Geschäften und Bereichen der organisierten Kriminalität zugeschrieben. Nach dem Schusswaffenangriff auf seine Familienvilla hatte er eine Belohnung von 500.000 Euro für die Ergreifung der Täter ausgelobt.

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