Türkei und Saudi-Arabien treiben neues Bahnprojekt voran
Die Türkei und Saudi-Arabien planen eine neue Bahnverbindung durch den Nahen Osten. Die Strecke soll von Südostanatolien über Syrien und Jordanien bis nach Medina führen und damit einen alternativen Handelskorridor schaffen.
Die Türkei und Saudi-Arabien wollen ihre Zusammenarbeit im Eisenbahnsektor deutlich ausbauen. Beide Staaten haben vor wenigen Tagen in der saudischen Hauptstadt Riad eine Absichtserklärung unterzeichnet, die eine engere Kooperation bei Infrastrukturprojekten und Bahntechnologien vorsieht. Im Mittelpunkt steht der Plan für eine neue Schienenverbindung, die mehrere Länder des Nahen Ostens miteinander verknüpfen soll.
Vorgesehen ist eine Strecke, die von der türkischen Stadt Gaziantep über Syrien und Jordanien bis nach Medina in Saudi-Arabien führt. Der geplante Verlauf orientiert sich weitgehend an der historischen Hedschasbahn, die Anfang des 20. Jahrhunderts große Teile der Region miteinander verband. Bereits zuvor hatten die Türkei, Syrien und Jordanien entsprechende Vereinbarungen zur Vorbereitung eines solchen Projekts getroffen.
Bahnstrecke bis in den Oman?
Nach Angaben türkischer Regierungsvertreter soll die neue Verbindung dazu beitragen, die Transportinfrastruktur in der Region widerstandsfähiger zu machen. Hintergrund sind die zahlreichen Konflikte und geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre, die bestehende Handels- und Verkehrswege beeinträchtigt haben.
Medienberichten zufolge wird zudem geprüft, die Bahnstrecke künftig bis in den Oman zu verlängern. Damit könnte ein neuer Nord-Süd-Korridor entstehen. Besonders vor dem Hintergrund der angespannten Lage rund um die Straße von Hormus gewinnt eine solche Alternative an Bedeutung.
Antwort auf israelisch-amerikanisches Bahnprojekt
In Ankara wird das Vorhaben auch als strategisches Projekt betrachtet. Vertreter der türkischen Regierung betonen die wirtschaftlichen Chancen für die beteiligten Staaten und sehen darin einen Beitrag zu mehr Stabilität und regionaler Zusammenarbeit. Zugleich wird das Projekt als Möglichkeit gesehen, bestehende Machtverhältnisse in der Region neu zu gestalten.
Der Ausbau alternativer Verkehrsverbindungen steht zudem im Zusammenhang mit konkurrierenden internationalen Infrastrukturinitiativen. So hatten die USA und Israel bereits 2023 Pläne für einen Handelskorridor vorgestellt, der Indien über den Nahen Osten mit Europa verbinden sollte.



