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Schengen-Visa für Türken: Warten auf ein Visum – bis es zu spät ist

  • Juli 5, 2026
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Schengen-Visa für Türken: Warten auf ein Visum – bis es zu spät ist

Für viele Türkinnen und Türken wird die Reise in den Schengenraum zur Geduldsprobe. Lange Wartezeiten, steigende Ablehnungsquoten und ein florierender Schwarzmarkt für Visa-Termine sorgen für wachsenden Unmut. Gleichzeitig verweist die EU auf Sicherheitsbedenken und ausstehende Reformen in der Türkei.

Wer aus der Türkei in einen Staat des Schengenraums reisen möchte, braucht derzeit vor allem eines: Geduld. Lange Bearbeitungszeiten, steigende Ablehnungsquoten und kaum verfügbare Termine belasten Antragsteller zunehmend. Während sich europäische Spitzenpolitiker auf den bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara vorbereiten, wächst in der türkischen Bevölkerung die Kritik an der Visapraxis der europäischen Staaten.

Vor den Visa-Annahmestellen bilden sich regelmäßig lange Warteschlangen. Viele Antragsteller erscheinen mit umfangreichen Unterlagen und hoffen, alle Anforderungen erfüllt zu haben. Dennoch bleibt bis zur Entscheidung oft ungewiss, ob der Antrag genehmigt wird.

Ablehnungsquote nimmt spürbar zu

Für Studierende, Geschäftsreisende oder Urlauber bedeutet die Unsicherheit häufig eine erhebliche Belastung. Wer eine Zusage erhält, berichtet oftmals von monatelanger Anspannung. Andere müssen dagegen erleben, dass Anträge ohne nachvollziehbare Begründung abgelehnt oder nur noch für deutlich kürzere Zeiträume genehmigt werden als in der Vergangenheit.

Die Zahlen der Europäischen Kommission zeigen, dass die Nachfrage nach Schengen-Visa in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Im vergangenen Jahr wurden in der Türkei rund 1,25 Millionen Anträge gestellt – deutlich mehr als noch vor der Corona-Pandemie. Zwar wurde der überwiegende Teil bewilligt, gleichzeitig nahm jedoch auch die Ablehnungsquote spürbar zu. Türkische Medien sprechen inzwischen von einer regelrechten Visakrise.

Sorge vor Asylantrag nach Einreise

Diplomatische Kreise führen die strengere Prüfung unter anderem auf die schwierige wirtschaftliche Lage in der Türkei zurück. Angesichts der hohen Inflation und sinkender Kaufkraft müssten Antragsteller umfangreiche Nachweise über ihre finanzielle Situation erbringen. Für touristische Reisen wird unter anderem verlangt, dass ausreichend finanzielle Mittel auf dem Konto nachgewiesen werden können – eine Hürde, die für viele Menschen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung nur schwer zu erfüllen ist.

Hinzu kommt die Sorge mehrerer Schengen-Staaten, dass Reisende nach ihrer Einreise einen Asylantrag stellen könnten. Türkische Staatsangehörige gehören seit einiger Zeit wieder zu den größten Gruppen von Asylbewerbern in Europa. Deshalb prüfen die Behörden besonders sorgfältig, ob Antragsteller nach Ablauf ihres Visums in ihr Heimatland zurückkehren werden.

Stockende Visaliberalisierung

Auch Vertreter der türkischen Gemeinschaft in Deutschland kritisieren die derzeitige Praxis. Lange Wartezeiten führten dazu, dass Familien wichtige Ereignisse wie Hochzeiten oder Beerdigungen verpassten. Die derzeitigen Verfahren seien für viele Betroffene nicht mehr nachvollziehbar.

Ein weiterer Streitpunkt bleibt die seit Jahren diskutierte Visaliberalisierung zwischen der Europäischen Union und der Türkei. Zwar hatte Brüssel bereits vor mehr als einem Jahrzehnt einen Katalog mit Reformauflagen vorgelegt, doch Ankara hat bislang nicht sämtliche Voraussetzungen erfüllt. Zu den offenen Punkten zählt unter anderem eine Überarbeitung des türkischen Anti-Terror-Rechts, das aus Sicht der EU rechtsstaatlichen Anforderungen bislang nicht vollständig entspricht.

Termin via Schwarzmarkt

Für viele beginnt das Problem allerdings schon lange vor der eigentlichen Antragstellung. Freie Termine bei den zuständigen Stellen sind oft erst nach vielen Monaten verfügbar. Die Terminvergabe erfolgt über private Dienstleister, die im Auftrag der Konsulate arbeiten.

Nach Angaben der türkischen Reisebranche nutzen jedoch automatisierte Programme die Buchungssysteme aus, um Termine in großem Umfang zu reservieren und anschließend zu überhöhten Preisen weiterzuverkaufen. Für kurzfristige Termine werden demnach teilweise mehrere Hundert Euro verlangt.

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Stefan Kreitewolf