Politik

Umstrittene Personalie: Neuer türkischer Botschafter im Vatikan

  • April 22, 2026
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Umstrittene Personalie: Neuer türkischer Botschafter im Vatikan

Mit Fahrettin Altun entsendet die Türkei einen der einflussreichsten Kommunikationsstrategen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan als Botschafter in den Vatikan. Die Ernennung sorgt nicht nur diplomatisch für Aufmerksamkeit, sondern vor allem in der Opposition für Unverständnis.

Fahrettin Altun ist der neue Botschafter der Türkei im Vatikan. Am vorletzten Samstag erhielt der langjährige Kommunikationschef des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sein Beglaubigungsschreiben. Er folgt auf auf Ufuk Ulutaş, der den Posten seit dem 1. Februar 2023 innehatte. Dies berichteten „Vatican News“ und mehrere andere katholische Medien.

Der 49-jährige gebürtige Stuttgarter soll damit künftig als diplomatisches Bindeglied zwischen dem Vatikan und Ankara fungieren. Die Türkei war im November des Vorjahres das Ziel der ersten Auslandsreise von Papst Leo XIV., der dabei auch Gespräche mit Präsident Erdoğan führte.

Altun seit 2010 in den Reihen des mächtigen Think-Tanks SETA

Vor allem in der türkischen Opposition sorgt diese Personalie für Irritationen. Altun galt seit Jahr und Tag als Architekt politischer Propaganda, um die immer autoritärer werdende Politik der Führung unter Präsident Erdoğan zu legitimieren. Schon im Jahr 2010 begann Altuns Engagement bei der Stiftung für politische, ökonomische und soziale Forschungen (SETA).

Dieser gilt als zentraler Think-Tank der Regierungspartei AKP und hat vor allem die Aufgabe, die Politik der türkischen Regierung über eigene Medien zu rechtfertigen sowie gegenüber dem Ausland zu verkaufen. Bereits 2013 stieg er zum Leiter des SETA-Büros in Istanbul auf, später wurde er Generalkoordinator für die gesamte Organisation.

Es deutet vieles darauf hin, dass Altun eine entscheidende Rolle bei regierungsamtlichen Stigmatisierungskampagnen gegen die Gülen-Bewegung sowie andere oppositionelle Bestrebungen spielte. In seine Führungstätigkeit bei SETA fiel auch der Aufstieg sogenannter „AK-Trolls“ oder „Erdobots“. Mit einer Vielzahl von Accounts, teilweise mit falschen Namen und multiplen Konten, verbreiteten diese Propaganda für die Erdoğan-Regierung und griffen Gegner mit organisierten, teils ins Persönliche gehenden Kampagnen an.

Mastermind hinter Social-Media-Gesetzen und jenem gegen „Desinformation“

Im Jahr 2018 wechselte Altun direkt in die Regierungsetage. Er leitete fortan die Kommunikationsabteilung im Präsidialamt der Türkei und war damit ein wichtiges Sprachrohr für Erdoğan selbst. Zudem bereitete er Entscheidungen vor wie jene zur Verschärfung der Akkreditierungsrichtlinien für Journalisten und Ausgabe von Pressekarten. Wer als zu kritisch galt, konnte damit rechnen, nicht mehr zu Regierungs-Pressekonferenzen zugelassen zu werden.

Altun galt auch als Mastermind hinter den restriktiven Social-Media-Gesetzen von 2020 und dem Gesetz gegen „Desinformation“ 2022. Diese stellten die Grundlage dar für weitreichende Restriktionen gegen Anbieter sozialer Medien und die strafrechtliche Verfolgung von Journalisten.

Im Jahr 2021 löschte YouTube das Video einer Rede von ihm, weil darin Hassrede gegen Armenier enthalten gewesen sei. Im Jahr 2024 griff er Instagram an, weil die Plattform gegen verherrlichende Beiträge für den getöteten Führer der terroristischen Hamas, Ismail Hanijah, vorging.

Altun nach interner Fehde aus seinem Amt „weggelobt“?

Der Zugang zu Instagram wurde daraufhin temporär gesperrt. Offiziell veranlasste Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu die Zwangsmaßnahme, die vor allem viele Unternehmen traf, die dort Werbung schalteten. Die Begründung lautete, die Plattform habe zu wenig gegen Beleidigungen von Atatürk, Drogenhandel, Glücksspiel und Pädosexualität unternommen.

Im Juli 2025 wechselte Altun als Präsident in das Direktorat für Menschenrechte und Gleichstellung. Politische Beobachter meinen, er sei dorthin „weggelobt“ worden, nachdem er bei einigen bedeutenden Akteuren im Umfeld des Präsidenten in Ungnade gefallen war. Nun also der Wechsel ins Ausland.

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