Studierende und Freunde holen die zwei Studenten vom Hochsicherheitsgefängnis Silivri in der Nähe von Istanbul ab. Foto: Gençlik Komiteleri

Zwei wegen Protesten an der Istanbuler Boğaziçi-Universität in Untersuchungshaft sitzende Studenten kommen frei.

Ein türkisches Gericht habe nach etwa dreimonatiger U-Haft die Entlassung der beiden Mitte 20-Jährigen angeordnet, sagte der Anwalt Gökhan Soysal der dpa am Freitag. Gegen sie sei jedoch eine Ausreisesperre verhängt worden.

Der Prozess soll am 21. März fortgesetzt werden. Den beiden Männern und zwölf weiteren Angeklagten werden unter anderem Sachbeschädigung im Wert von knapp 45 Euro, Freiheitsberaubung und Verstoß gegen das Demonstrations- und Versammlungsrecht vorgeworfen.

Vor einem Jahr fing es an

Hintergrund des Verfahrens sind die seit mittlerweile einem Jahr andauernden Proteste an der Boğaziçi-Universität in Istanbul. Anfang Oktober hatten mehrere Menschen erneut gegen den Rektor Naci Inci protestiert und den in seinem Dienstwagen sitzenden Inci an der Weiterfahrt gehindert. Eine Person sei auf das Auto geklettert, hieß es vom Istanbuler Gouverneursamt.

Die Protestierenden an der Boğaziçi fordern seit Januar 2021, den Rektor von der Universität selbst bestimmen zu dürfen, und wenden sich gegen die Einsetzung eines Rektors auf Geheiß des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Im Zusammenhang mit dem Protest wurden bereits zahlreiche Menschen festgenommen. In einem weiteren Prozess stehen 97 Angeklagte vor Gericht. Die nächste Verhandlung in dem Verfahren findet am 10. Januar statt.

dpa/dtj