Ein Student der Boğaziçi-Universität tritt während einer Demonstration gegen ein Schild eines Polizisten. Foto: Zeynep Kuray/AP/dpa

An der renommierten Boğaziçi-Universtiät haben Studenten gegen die Ernennung eines neuen Rektors protestiert. 16 Personen wurden festgenommen. Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem Imamoğlu unterstützt die Proteste.

Nach Protesten von Studenten an der renommierten Boğaziçi-Universität in Istanbul hat die türkische Polizei 16 Personen festgenommen. Nach zwölf weiteren werde gefahndet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ihnen würden ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und Widerstand gegen diensthabende Beamte vorgeworfen.

Studenten der Boğaziçi-Universität hatten am Montag gegen die Ernennung eines neuen Rektors durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan protestiert. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Erdoğan hatte den neuen Rektor Melih Bulu, der 2015 für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP als Abgeordnetenkandidat angetreten war, am Samstag ernannt. Als Präsident hat Erdoğan das Recht, Rektoren einzusetzen. Die Studenten kritisieren unter anderem die Nähe des Rektor zur AKP und die Ernennung als undemokratisch. Sie fordern das Recht ein, ihren eigenen Rektor zu wählen.

Imamoğlu zeigt Solidarität

Der Oberbürgermeister der türkischen Millionenmetropole Istanbul, Ekrem İmamoğlu, hat sich mit den Studenten und Professoren der Universität in ihrem „rechtschaffenen Kampf“ gegen den neuen, von Präsident Erdoğan ernannten Rektor, solidarisiert.

Der CHP-Abgeordnete Ilhan Cihaner rief Bulu via Twitter auf, zurückzutreten. „Melih Bulu steht nun vor einer moralischen Prüfung. Studenten, von denen er behauptete, dass sie ihm am Herzen liegen, werden festgenommen, weil sie von ihrem verfassungsmäßigen Protestrecht Gebrauch machen. Ihre Häuser werden durchsucht. Sein Rücktritt ist nun eine moralische Pflicht.“

dtj/dpa