Eine Bäckerei in Izmir. Foto: Unsplash

Wegen einer kritischen Aussage über den hohen Brotkonsum in der türkischen Bevölkerung sind die Behörden gegen den Gewerkschaftschef der Brotproduzenten vorgegangen. Die Hintergründe.

Cihan Kolivar sei wegen „Präsidentenbeleidigung“ verhaftet worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Zuvor sei unter anderem wegen „öffentlicher Beleidigung der türkischen Nation und des Staates“ gegen Kolivar ermittelt worden.

Die Ermittler seien dann auf strafrechtlich relevante Tweets des Gewerkschaftschefs gestoßen. Kolivar hatte in einer Live-Gesprächsrunde des Senders Habertürk gesagt, dass Brot ein Grundnahrungsmittel der „dummen Völker“ sei. Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Türkei seit 20 Jahren „solche Führer“ an der Spitze habe.

Erdoğan-Kritik wird Kolivar zum Verhängnis

Kolivar zielte mit seiner Kritik auch auf die von Präsident Recep Tayyip Erdoğan geführte Regierung ab. In der Türkei ist – wie in vielen anderen Ländern auch – Brot ein beliebtes Grundnahrungsmittel.  Der Konsum von rund 200 Kilogramm im Jahr (und pro Kopf) ist Kolivar zufolge dennoch höher als in vielen europäischen Ländern. Zuletzt gab es zudem Spekulationen, wonach in Istanbul ein Brot künftig 7,50 Lira kosten werde, was ebenfalls für Diskussionen sorgt.

Kritiker der türkischen Regierung wurden in der Vergangenheit schon häufig mit dem Artikel 301 im Strafgesetzbuch, der Beleidigungen ahndet, strafrechtlich belangt. Auch „Präsidentenbeleidigung“ ist ein Strafbestand, der häufig angewandt wird.

dpa/dtj