Archivfoto: Dieses vom türkischen Sender TRT World zur Verfügung gestellte Videostandbild vom 02.10.2018 zeigt mutmaßlich den saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Gespräch mit seiner Verlobten Hatice Cengiz, bevor er das Konsulat von Saudi-Arabien betritt. 3sat zeigt am 23.03.2022 den Dokumentarfilm "Der Dissident" über die Tötung des Journalisten. Foto: Uncredited/TRT World/AP/dpa

Es ist nicht die erste Doku über die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi. Doch der zweistündige Film von Oscarpreisträger Bryan Fogel hat genug Kino-Charakter, um auch Doku-scheue Menschen zu fesseln.

Es ist ein Fall, der weltweit Entsetzen auslöste: Am 2. Oktober 2018 betritt Jamal Khashoggi, bekannter Journalist und Kritiker des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, das saudische Konsulat in Istanbul. Er will Dokumente für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen. Aus dem Verwaltungsgebäude kommt er nicht mehr lebend heraus. Der Dokumentarfilm „Der Dissident“ wird am Mittwoch um 20.15 Uhr erstmals im Free-TV bei 3sat ausgestrahlt.

Der zweistündige Film des Regisseurs Bryan Vogel legt mit zahlreichen Interviews anschaulich die Zusammenhänge dar. Neben der Verlobten Khashoggis kommen die türkische Polizei und Staatsanwaltschaft zu Wort. Ebenso Freunde des Journalisten, die UN-Sonderberichterstatterin, Medienmacher.

Dissident kämpft ums Überleben

Auch wenn man sich zu Beginn des Films noch fragen mag, wer er ist: Eine zentrale Rolle nimmt ein junger Dissident und Aktivist ein, der mit Khashoggi arbeitete und nach eigenen Angaben in Kanada weiter um sein Leben bangt. Zudem werden Videos, Fotos und Mitschnitte aus der Botschaft gezeigt, die noch einmal unverkennbar deutlich machen, welchem tödlichen Gefüge aus Macht und Manipulation Khashoggi zum Opfer fiel.

Phasenweise verschwimmen die Linien zwischen Thriller und Dokumentation. Das mag vor allem am Thema liegen. Ein Auftragsmord im Konsulat. Ein Machthaber, der davonzukommen scheint. Durch aufwendige Computer-Animationen und Montagen und dem Einsatz von Soundeffekten bekommt der Film aber auch einen Kino-Charakter, der ihm das Potenzial gibt, das Thema auch weniger interessierten und Doku-affinen Menschen nahezubringen.

Weltpolitik eher zahnlos

Dem Oscar-prämierten Regisseur ging es nach eigenen Aussagen um viel mehr als eine Untersuchung der grausamen Tötung Khashoggis. In einem Interview zu der Dokumentation sagte er, es habe sich gezeigt, dass weder die USA noch die anderen der G20-Länder oder die EU Interesse daran habe, „die Attentäter zu bestrafen oder Sanktionen zu verhängen“.

Für seinen Vorgängerfilm „Ikarus“ über das russische Staats-Doping, der 2017 für Netflix produziert worden war, hat Bryan Fogel einen Oscar für den besten Dokumentarfilm bekommen. Bei der Verleihung 2018 sagte er: „Wir hoffen, dass „Ikarus“ ein Weckruf ist, ja, über Russland, aber mehr noch über die Wichtigkeit, die Wahrheit zu sagen. Jetzt erst recht.“ Gleiches gilt wohl für seine Nachfolger-Doku – und in dem Fall Saudi-Arabien.

dpa/dtj