Bildung & Forschung

Erste türkeistämmige Rektorin: Fatma Deniz als TU-Präsidentin ins Amt eingeführt

  • April 21, 2026
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Erste türkeistämmige Rektorin: Fatma Deniz als TU-Präsidentin ins Amt eingeführt

Mit einer Zeremonie ist die Informatik-Professorin Fatma Deniz als neue Präsidentin der Technischen Universität Berlin eingeführt worden. Die 43-Jährige steht für einen Generationswechsel und setzt auf Innovation, Internationalisierung und den Schutz der Wissenschaftsfreiheit.

Am Donnerstag ist die neue Präsidentin der Technischen Universität Berlin, Fatma Deniz, feierlich in ihr neues Amt eingeführt worden. Die Zeremonie stand im Zeichen des 80. Neugründungs-Jubiläums der akademischen Einrichtung, deren historische Wurzeln ins 18. Jahrhundert zurückreichen.

Offiziell ist Deniz bereits seit 1. April im Amt. Die 43 Jahre alte Mathematik-Professorin hatte 2023 an der TU ihre Professur für Informatik angetreten. Sie ist die erste türkeistämmige Rektorin einer international renommierten öffentlichen akademischen Einrichtung in Deutschland. Deshalb gilt ihre Ernennung auch als ein bedeutender Wendepunkt in der deutschen Migrationsgeschichte.

Deniz will Chancen moderner Technologien und der KI nutzen

An den Beginn ihrer Antrittsrede im Audimax stellte Deniz eine Begrüßung in drei Sprachen – Deutsch, Englisch und Türkisch. Dann sprach sie vom „großen Privileg der Wissenschaftsfreiheit“, das die Verfassung in Deutschland garantiere. Sie fügte hinzu: „Und wir alle tragen die Verantwortung für die Freiheit der Wissenschaft und ihren Schutz.“

Deniz ging auf die Gründungssituation der TU ein. Im Jahr 1946 sei es darum gegangen, die Wissenschaft als Grundlage für Deutschlands erneuerte Demokratie zu stärken und zu sichern. Mittlerweile habe sich das Umfeld fundamental verändert. Die Welt stehe inmitten von geopolitischen und technologischen Veränderungen. Dafür sorgten Künstliche Intelligenz und die Möglichkeit, in kürzester Zeit auf mehr Daten und Informationen zurückzugreifen als je zuvor.

„Wir können auf Knopfdruck übersetzen, komplexe Analysen durchführen, manchmal in Sekunden, und Ideen algorithmisch generieren. Dinge, die früher Jahre dauerten, geschehen heute augenblicklich. Ich denke, das ist nicht nur ein kurzes Abenteuer, sondern auch eine wirklich großartige Gelegenheit“, so Deniz weiter.

„Strukturen schaffen, die Exzellenz ermöglichen“

In ihrer Amtszeit habe sie sich vier Hauptziele gesetzt. So soll die TU Berlin Exzellenz in Forschung und Innovation bewahren und ausbauen. Deniz will die Einrichtung national und international positionieren. Dazu kämen die Sicherstellung zukunftsorientierter Bildung und die Schaffung von Strukturen, die Exzellenz ermöglichten.

Um dies zu gewährleisten, sei jedoch Offenheit für neue Ideen nötig, und es bedürfe des Mutes, sich selbst zu hinterfragen. Exzellenz entstehe nicht durch Zufall, sondern stelle sich ein, wenn „Menschen Verantwortung übernehmen, gemeinsam an etwas Großes arbeiten und den Mut haben, neue Wege auszuprobieren“.

Fatma Deniz kam 1983 in München zur Welt, wuchs jedoch in der Türkei auf, wo sie das Mädchengymnasium in Bursa als Jahrgangsbeste abschloss. Für das Studium der Informatik mit Nebenfach Computerlinguistik kehrte sie in die bayerische Landeshauptstadt an die dortige TU zurück. 2008 legte sie ihre Diplomprüfung mit Auszeichnung ab.

Deniz löste nach Antisemitismusskandal Geraldine Rauch ab

Ihre weitere akademische Karriere führte sie an die Universität von Kalifornien in Berkeley. Dort übernahm sie unter anderem Lehraufgaben im Bereich Data Science. Im Jahr 2018 wechselte sie auch an das Helen Wills Neuroscience Institute und leitete dort eine Forschungsinitiative. Zwei Jahre später begann ihr erstes Engagement an der TU Berlin. Damals übernahm sie die Leitung des Projekts „Sprachrepräsentationen bei zweisprachigen Menschen“.

Im April 2023 trat sie ihre Professur für Informatik an und die Leitung des Fachgebiets „Sprache und Kommunikation in biologischen und künstlichen Systemen“. Ein Jahr später ernannte sie der zuständige Senat zur Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit der TU. Im Dezember 2025 wurde sie in einer Kampfabstimmung gegen die wegen Antisemitismusvorwürfen in Ungnade gefallene Geraldine Rauch zur Universitätspräsidentin gewählt. Ihre Amtszeit beträgt vorerst vier Jahre.

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