19.01.2022, Griechenland, Athen: Ein Kampfflieger vom Typ Rafale fliegt über den Militärflugplatz Tanagra während einer Übergabezeremonie. Sechs von insgesamt 24 französischen Kampffliegern des Typs Rafale wurden an die griechischen Streitkräfte übergeben - die erste große Lieferung, die aus dem milliardenschweren Verteidigungsabkommen mit Paris vom vergangenen Jahr resultiert. Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Kampfjets, Torpedos, Fregatten – Griechenland rüstet auf und nennt Konflikte mit der Türkei als Hauptgrund. Aber auch die USA haben Interessen. Dank der Kooperation mit Athen können sie nun militärisches Gerät über den Landweg direkt bis an die ukrainische Grenze bringen.

Mit einem eindrucksvollen Anflug über Athen und die Akropolis haben am Mittwoch sechs französische Kampfjets ihren Bestimmungsort Griechenland erreicht. Die Flieger sind Teil einer Bestellung von 24 Jets des Typs Rafale, die Premier Kyriakos Mitsotakis vergangenes Jahr mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ausgehandelt hat. Und sie sind Teil der verstärkten militärischen Aktivitäten des Mittelmeerlandes, die unter anderem von den USA mit Wohlwollen gesehen werden.

Griechenland rüstet auf – erstmals seit der schweren Finanzkrise des Landes, die von 2009 bis 2018 fast jegliche Rüstungsausgaben verhinderte. Der Konflikt um Erdgas im östlichen Mittelmeer mit der Türkei und das „provokative, aggressive Verhalten“ des Nachbarn ließen keine andere Option, heißt es aus Regierungskreisen. Für 2022 sind Ausgaben in Höhe von mehr als 4 Milliarden Euro geplant.

Zwei Inseln bewaffnet

„Im 21. Jahrhundert ist Rüstung ein Thema des Friedens“, sagte Ministerpräsident Mitsotakis nach der Landung der Kampfjets auf dem Militärflughafen Tanagra nahe Athen. Es sei weder Raum für Geschichts- oder Geografiefälschung, noch für provokatives Zündeln, besonders, wenn dies von einem Nachbarland komme, sagte der Premier.

Gemeint sind die Konflikte mit der Türkei. Zuletzt wandte sich Ankara gleich zweimal an die Vereinten Nationen, um griechischen Inseln in der östlichen Ägäis die Souveränität abzusprechen, weil sie militarisiert seien. Gleichzeitig unterhält die Türkei Athen zufolge an ihrer Westküste eine der größten Landungsflotten im Mittelmeer – Luftbilder auf Google belegen den gut bestückten Militärhafen Hacılar Limanı südlich der Touristenstadt Foça. Mit dieser Bedrohung vor der Haustür, so der griechische Außenminister Nikos Dendias, könne man auf Inseln wie Lesbos und Samos unmöglich auf Militär verzichten.

Türkische Kampfjets im Luftraum präsent

Zudem verletzen türkische Kampfjets in letzter Zeit wieder verstärkt den griechischen Luftraum. Auch überfliegen sie nicht nur griechische Felsen im Meer, sondern bewohnte Inseln. Griechische Jets steigen deshalb regelmäßig zu Abfangmanövern auf.

„Mancher fragt sich, warum Griechenland aufrüstet. Aber diese Aktivitäten sind absurd und innerhalb der Nato noch nie da gewesen“, sagte ein griechischer Militär der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. „Es ist in etwa so, als ob britische Kampfbomber unangekündigt Sylt überfliegen und London obendrein die Zugehörigkeit der Insel zu Deutschland in Frage stellt.“

Frankreich hilft und hat Interessen

Der französische Präsident Macron sicherte Griechenland bereits Unterstützung zu – Frankreich hat mit eigenen Energiekonzernen allerdings auch große Interessen etwa an Gasvorkommen südlich von Kreta, die von Ankara beansprucht werden.

Mit den USA hat Athen die Zusammenarbeit ebenfalls verstärkt. Zusätzlich zum Stützpunkt „Souda“ auf Kreta sind sie nun zunehmend in der nordostgriechischen Hafenstadt Alexandroupolis präsent. Aus gutem Grund, sagen Beobachter: Von dort aus kann militärisches Gerät auf dem Landweg über die Nato-Mitgliedstaaten Bulgarien und Rumänien zum Beispiel an die Grenze zur Ukraine gebracht werden.

Moskau bleiben diese Aktivitäten nicht verborgen. „Natürlich haben wir mitgekriegt, in welche Richtung die Amerikaner diesen Hafen benutzen können“, sagte Medienberichten zufolge der russische Außenminister Sergej Lawrow letzte Woche in einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Nikos Dendias.

dpa/dtj