Symbolfoto: Eine Paprika wird auf einem Wochenmarkt über eine Obst- und Gemüsetheke gereicht. Foto: Christoph Soeder/dpa

In der Türkei ist die Inflation erstmals seit mehr als einem Jahr etwas zurückgegangen. 

Die Verbraucherpreise stiegen im November um 84,4 Prozent, wie das Statistikamt am Montag mitteilte. Im Vormonat hatte die Teuerung mit 85,5 Prozent den höchsten Stand seit 24 Jahren markiert. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise im November um 2,9 Prozent. Auch das war etwas weniger als im Vormonat. Auch die unabhängige Untersuchungsgruppe ENAG stellte einen Rückgang fest: von 185 auf 170,70 Prozent.

Die Opposition und unabhängige Beobachter zweifeln an der Glaubwürdigkeit der offiziellen Zahlen. Kritiker werfen Präsident Recep Tayyip Erdoğan etwa vor, Einfluss auf die Notenbank zu nehmen. Der Staatschef hat deren Führung mehrmals ausgetauscht oder öffentlich unter Druck gesetzt.

Auf der vorgelagerten Wirtschaftsstufe schwächte sich der Preisauftrieb nach offiziellen Zahlen auch ab – allerdings ebenfalls von sehr hohem Niveau aus. Die Erzeugerpreise erhöhten sich im November zum Vorjahresmonat um 136 Prozent, nach fast 158 Prozent im Oktober. Sie bilden die Verkaufspreise der Produzenten ab und beeinflussen in der Regel die Lebenshaltungskosten der Verbraucher.

Werden die Zinsen demnächst wieder angehoben?

Die Inflation wird durch mehrere Faktoren getrieben. Für den Auftrieb sorgt vor allem die schwache Landeswährung Lira, da sie in die Türkei importierte Güter verteuert. Hinzu kommen Probleme in den Lieferketten, die viele Vorprodukte verteuern. Zudem steigen vor allem wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine die Preise von Energie und Rohstoffen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank nicht mit Zinsanhebungen gegen die Teuerung. Vielmehr senkte sie ihren Leitzins zuletzt mehrmals. Die jüngste Senkung soll allerdings die vorerst letzte gewesen sein.

dpa/dtj