Ein neuer Bericht über Islamophobie in Europa warnt davor, dass Hassverbrechen gegen die muslimische Bevölkerung auf dem Kontinent "schlimmer geworden sind, wenn nicht sogar einen Wendepunkt erreicht haben". Foto: Masjid Pogung Dalangan / Unsplash

Die Islamophobie in Europa hat zugenommen – das besagt eine neue Studie. Der „European Islamophobia Report 2020“ reflektiert die Entwicklung islamfeindlicher Einstellungen in 31 Ländern. Die Details.

„Wenn wir auf die letzten sechs Jahre zurückblicken, werden viele Beobachter einhellig der Meinung sein, dass sich der Zustand der Islamophobie in Europa nicht nur nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert hat, wenn nicht sogar einen Wendepunkt erreicht hat“, konstatiert der „European Islamophobia Report 2020“. Die Studie erscheint seit 2015 jährlich.

Neben allgemeinen Ergebnissen zur Lage und Entwicklung von Islamfeindlichkeit in Europa enthält der Report auch 31 Länderberichte. Der 886-seitige Report wird von Enes Bayraklı, Professor für internationale Beziehungen an der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul, und Farid Hafez, Politikwissenschaftler an der Bridge Initiative der Georgetown University, mit herausgegeben.

Macrons Konterfei ziert den Titel

Insgesamt waren 37 Wissenschaftler, Experten und Aktivisten der Zivilgesellschaft beteiligt. Das Titelbild des 2020er-Berichts zeigt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der jüngst gegen Muslim:innen und ihre Institutionen in Frankreich vorging. In Frankreich kam es 2020 zu häufigen polizeilichen Durchsuchungen, zu Räumungsdrohungen sowie zur Schließung von Moscheen und Schulen.

Insgesamt kommen die Autor:innen aber zu dem Schluss, dass der anti-muslimische Rassismus auf dem gesamten europäischen Kontinent zugenommen hat. Im Zuge der Corona-Pandemie habe zwar die Zahl der physischen islamfeindlichen Angriffe abgenommen. Indes erreichte die islamfeindliche Hetze in sozialen Medien eine neue Dimension.

Lichtblick Deutschland?

Der Bericht kritisiert weiter, dass viele europäische Staaten es versäumen, islamfeindliche Vorfälle als eigene Kategorie von Hassverbrechen zu erfassen: „Die polizeiliche Erfassung anti-muslimischer Straftaten als eigene Kategorie von Hasskriminalität ist unerlässlich, um das wahre Ausmaß dieses Problems aufzudecken und Gegenstrategien zu seiner Bekämpfung zu entwickeln.“

Es gebe aber auch Lichtblicke: In Deutschland habe die neue Regierungskoalition betont, dass die Bundesrepublik ein „modernes Einwanderungsland“ sei. Dennoch wurden 2020 deutschlandweit 901 islamfeindliche Straftaten begangen – 146 gegen Moscheen und 48 gegen Menschen. Auch Muslim:innen in Österreich hatten ein schwieriges Jahr. Dort habe sich die Zahl der Hassverbrechen auf 812 gemeldete Vorfälle mehr als verdoppelt.

In Nordrhein-Westfalen kündigte derweil die neue Integrationsstaatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert als Reaktion auf die Friedhof-Schändungen in Iserlohn vor wenigen Tagen an, eine Meldestelle für islamfeindliche Straftaten einrichten zu wollen.