Archivfoto: Edi Rama, Premierminister von Albanien, hört Aleksandar Vucic, Präsident von Serbien, während einer Pressekonferenz nach dem Wirtschaftsforum Open Balkan für regionale Zusammenarbeit zu. Foto: Darko Vojinovic/AP/dpa

Das NATO-Land Albanien bricht mit sofortiger Wirkung die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Der Grund ist ein Cyber-Angriff.

Es gebe „unwiderlegbare Beweise“ dafür, dass der Iran hinter massiven Cyber-Angriffen vom 15. Juli stecke, die darauf abgezielt hätten, staatliche Institutionen Albaniens lahmzulegen. Das sagte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama am Mittwoch. Das gesamte Botschaftspersonal des Irans müsse Albanien binnen 24 Stunden verlassen. Man habe auch die NATO-Partner und andere befreundete Staaten darüber informiert.

„Eine eingehende Untersuchung lieferte uns unwiderlegbare Beweise dafür, dass die Cyber-Aggression gegen unser Land von der Islamischen Republik Iran orchestriert und gesponsert wurde, die vier Gruppen für den Angriff auf Albanien engagiert hat“, so Rama. Eine dieser Gruppen sei berüchtigt und habe an früheren Cyber-Angriffen auf Israel, Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Zypern mitgewirkt.

Iran überrascht und enttäuscht

In Albanien habe der Angriff sein Ziel nicht erreicht, erklärte der Ministerpräsident. „Im Vergleich zu den Angriffszielen der Angreifer sind die Schäden als gering anzusehen. Alle Systeme wurden wiederhergestellt und nichts war unwiederbringlich verloren.“

Teheran reagierte mit Unverständnis. „Das war eine unüberlegte und überhastete Entscheidung auf der Basis haltloser Unterstellungen“, teilte das Außenministerium am Abend mit. Der Iran selbst sei Opfer von Cyber-Angriffen und verurteile daher diese Form von Sabotageakten. Die Beziehungen beider Länder hatten sich verschlechtert, als Albanien 2016 Zufluchtsort für eine größere Zahl von Mitgliedern der Volksmudschahedin, einer militanten iranischen Oppositionsbewegung, wurde.

dpa/dtj