Archivfoto: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt unter dem Künstlernamen Bushido, sitzt als Nebenkläger im Prozess gegen den Chef eines bekannten arabischstämmigen Clans und drei seiner Brüder in einem Gerichtssaal. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Die Trennung von Bushido und seinem Ex-Manager beschäftigt seit fast zweieinhalb Jahren die Justiz. Seine Sicht der Dinge hat der Rapper ausführlich geschildert. Auch einstige Weggefährten kommen zu Wort – nun auch per Videoschalte aus der Türkei.

Seit fast zweieinhalb Jahren beschäftigt die Trennung von Bushido und seinem Ex-Manager, dem Clanchef Arafat A.-Ch., das Berliner Landgericht. Mehr als 40 Zeugen – darunter mehrere Rapper – hat die 38. Strafkammer in den vergangenen Monaten vernommen. Zeuge Nummer 44 wurde am Mittwoch aus der Türkei zugeschaltet: Ein abgeschobener Straftäter, einst Vertrauter von Bushido und dem Berliner Clanchef. Im Verlauf des Streits der früheren Freunde soll er sich auf die Seite des Musikers geschlagen haben. Die Prozessbeteiligten erhofften sich darum von ihm wesentliche Angaben zum Verhältnis der Beiden – und zu den angeklagten Taten.

Denn der 41-Jährige soll zeitweise bei dem Treffen im Januar 2018 anwesend gewesen sein, bei dem Arafat A.-Ch. den Rapper angegriffen haben soll. Die Anklage wirft dem 46 Jahre alten Clanchef und drei seiner Brüder unter anderem Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Untreue vor. Der Rapper, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Ferchichi, ist Zeuge und Nebenkläger im Prozess. Ein Großteil der Vorwürfe basiert auf seinen Aussagen.

Bushido „der Goldesel“ des Clanchefs

Zu den mutmaßlichen Taten soll es gekommen sein, nachdem Bushido die Beziehungen zu seinem Manager aufgelöst hatte. Der 44-Jährige soll eingesperrt und mit einer Flasche und einem Stuhl beworfen worden sein.

Der inzwischen in Izmir lebende Türke zweifelte dies bei seiner Vernehmung per Video an. „Der würde ihm niemals ein Haar krümmen“, sagte er. Bushido sei „der Goldesel“ des Clanchefs gewesen. „Ganz ehrlich: Er hat einfach Scheiße gelabert“, sagte der 41-Jährige zu den von Bushido erhobenen Vorwürfen gegen seinen Ex-Manager.

In seiner Anwesenheit sei der Rapper nicht von Arafat A.-Ch. angegriffen worden. Auch bei einem späteren Treffen mit Bushido habe er nicht den Eindruck gehabt, dass dieser so eine Attacke erlebt habe. Zugleich berichtete der Türke, wie er selbst von dem Clanchef bei dem fraglichen Treffen angegangen worden sei. „Arafat wollte klarstellen, dass ich nichts zu melden habe“, schilderte der Zeuge. „Er wollte Bushido zeigen: Ich habe hier das Sagen.“

Abgeschoben in die Türkei

Angesprochen auf einen im Internet veröffentlichten Mitschnitt eines Telefonats zwischen ihm und Arafat A.-Ch. gab der 41-Jährige an, er habe dem Clanchef „Angst machen wollen“. Laut dem Mitschnitt drohte der Türke damit, im Prozess gegen den Angeklagten auszusagen. Bei der Zeugenvernehmung nun widersprach er sich teils oder gab an, sich nicht erinnern zu können.

Der Türke mit Verbindungen zu kriminellen Mitgliedern von Berliner Clans war wegen Gewalttaten sowie Drogenhandels aufgefallen und zuletzt angeklagt im Zusammenhang mit einer Schießerei. Im März 2021 wurde er abgeschoben. Behörden verwehren ihm eine Einreise nach Deutschland. Weil der 41-Jährige für den Prozess als wichtiger Zeuge galt, wurde er im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens am 88. Verhandlungstag per Video befragt.

Der Prozess soll nun im neuen Jahr am 2. Januar weitergehen. Nach derzeitigem Stand sind noch weitere 11 Termine bis zum 12. April geplant.

dpa/dtj