Der Vater des getöteten Kindes sitzt vor dem abgedeckten Leichnam. Foto: Erdal Akildiz/Twitter

Sicherheitskräfte schießen in der Osttürkei auf ein Fahrzeug mit Migranten. Dabei stirbt ein kleiner afghanischer Junge. Menschenrechtler sind empört und fordern eine Untersuchung.

Türkische Sicherheitskräfte haben im Osten des Landes einen Kleinbus mit Migranten beschossen und dabei einen vierjährigen afghanischen Jungen getötet. Das Kind sei bei dem Beschuss in einem Dorf der Provinz Van am Herzen getroffen worden, sagte der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Van, Mehmet Karataş, der Deutschen Presse-Agentur am Montag unter Berufung auf Augenzeugen. Zwölf Menschen seien verletzt worden, darunter die Mutter.

Das Gouverneursamt der Provinz bestätigte ohne Angabe von Alter und Nationalität, dass ein Migrant getötet und zwölf weitere verletzt wurden. Die Gendarmerie habe auf die Reifen eines verdächtigen Fahrzeugs geschossen, nachdem der Fahrer die Aufforderung, sofort anzuhalten, ignoriert habe. Dabei seien Migranten von Querschlägern getroffen worden.

Beschuss trotz harmloser Migranten?

Der IHD-Vorsitzende Karataş dagegen sagte, zwei Gendarmen hätten das Fahrzeug, „intensiv beschossen“, obwohl es unterwegs in eine Sackgasse gewesen sei. Die Fensterscheiben des Wagens seien dabei zerborsten. Das sei eine „Pflichtverletzung und eine Verletzung des Rechts auf Leben“, kritisierte er. Migranten, darunter Frauen und Kinder, seien in eine Scheune und in die Berge geflohen, weil die Gendarmen weiter auf ihre Füße geschossen hätten. Karataş forderte eine unabhängige Untersuchung.

Nach Angaben des Gouverneursamt befanden sich in dem Fahrzeug 40 irreguläre Migranten. Der Fahrer und ein mutmaßlicher Schleuser seien flüchtig. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Route über den Iran

Die türkische Provinz Van grenzt an den Iran. Von dort kommen immer wieder Migranten vor allem aus Afghanistan in die Türkei. Viele zieht es nach Westen – etwa in die Millionenmetropole Istanbul, um dort Arbeit zu finden oder weiter nach Europa. Schmuggler bringen Migranten, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben, in Kleinbussen aus den Ostprovinzen in Richtung Westtürkei und versuchen dabei, Kontrollpunkte zu umgehen.

In der Türkei leben nach offiziellen Angaben zurzeit mehr als 3,7 Millionen Geflüchtete aus Syrien, hinzu kommen Schätzungen zufolge bis zu eine halbe Million Afghanen. Angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise hat sich die Stimmung gegen Syrer und Afghanen zuletzt weiter verschärft.

dpa/dtj