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Von Izmir nach Heilbronn: Dutzende Telefonbetrüger in der Türkei verurteilt

Symbolfoto: Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die türkische Justiz hat mithilfe von Ermittlern aus Heilbronn eine Bande von 67 Telefonbetrügern verurteilt.

Die Beschuldigten sollen mit der Masche „falsche Polizeibeamte“ aus einem türkischen Callcenter heraus in fünf deutschen Bundesländern rund 900.000 Euro erbeutet haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Heilbronn am Montag mitteilten. Die Gruppierung soll für 16 vollendete und versuchte Taten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen verantwortlich sein.

Auf Grundlage der zentral in Heilbronn geführten Ermittlungen verurteilte das Landgericht im türkischen Izmir die 67 Beschuldigten bereits Ende September zu insgesamt 1128 Jahren, 6 Monaten und 28 Tagen Haft und verhängte Geldstrafen in Höhe von mehr als 478 Millionen Türkischen Lira, wie die Behörden nun mitteilten. Umgerechnet sind das rund 25 Millionen Euro. Polizei und Staatsanwaltschaft in Heilbronn hatten dazu bereits 2018 eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Millionen Euro gesichert

Die in Deutschland ermittelten Beschuldigten sollen vor allem das Geld bei den Betroffenen abgeholt haben und für die Logistik der Betrugsmasche tätig gewesen sein. Auch sie wurden demnach bereits verurteilt. Nähere Angaben zu den in Deutschland tätigen Beschuldigten machten die Behörden zunächst nicht.

Bei Durchsuchungen in der Türkei nahm die dortige Polizei unter anderem den Haupttäter des Betrugs fest und stellte Geld, Gold, Fahrzeuge und Immobilien im Wert von rund 105 Millionen Euro fest. Damit sollen die vor allem älteren deutschen Opfer der Betrüger entschädigt werden. Wer Opfer eines Telefonbetrugs wurde, könne sich an die Polizei wenden, sagte ein Sprecher am Montag. Die Ermittler prüften dann, ob es sich in diesen Fällen um die Täter aus der Türkei handele.

Wie die Masche funktioniert

Falsche Polizeibeamte am Telefon versuchen unter verschiedenen Vorwänden ihre Opfer dazu zu bringen, Geld- und/oder Wertgegenstände im Haus oder auf der Bank an einen Unbekannten zu übergeben, der sich ebenfalls als Polizist ausgibt. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten.

Wie man sich vor einem solchen Betrug schützen kann, lesen Sie hier.

dpa/dtj

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