Istanbul: Karim Benzema von Real Madrid zeigt seine Trophäe als Europas Fußballer des Jahres, die er im Rahmen der Auslosung der Champions League verliehen bekam. Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

Die Champions League findet dieses Jahr ohne ein einziges türkisches Team, aber nicht ohne türkische Spieler statt. Dafür verlief der Donnerstagabend aus türkischer Sicht recht erfreulich. 

Die Türkei ist in der Saison 2022/23 mit keinem einzigen Team in der höchsten Fußballklasse in Europa vertreten. Doch ganz auf türkische Spieler müssen die Fans nicht verzichten. Fünf Spieler der türkischen Nationalmannschaft haben sich für die Champions League qualifiziert: Ahmetcan Kaplan (Ajax Amsterdam), Rıdvan Yılmaz (Rangers FC), Hakan Çalhanoğlu (Inter Mailand), Salih Özcan (Borussia Dortmund) und Cengiz Ünder (Olympique Marseille).

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Anders sieht es dagegen in der Europa sowie der Europa Conference League aus. Fenerbahçe konnte auch das Rückspiel gegen Austria Wien (4:1) für sich entscheiden und löste sein Ticket für die EL. Dort geht auch Trabzonspor an den Start. Pokalsieger Sivasspor hingegen schaffte es nicht, sich gegen Malmö FF durchzusetzen. Nach der 1:3-Pleite im Hinspiel gab es gestern eine 0:2-Niederlage im eigenen Stadion. Wie Başakşehir, das nach dem 1:1 in der vergangenen Woche durch einen 3:1-Sieg in Belgien Royal Antwerp FC ausschaltete, muss Sivas nun in der ECL ran.

CL-Gruppenphase in Istanbul ausgelost

Die Auslosung der Gruppenphase der Champions League in Istanbul hat dem deutschen Fußball-Meister und dessen Vize derweil brisante Wiedersehen in Knallergruppen beschert. Der FC Bayern München bekommt es mit Robert Lewandowskis FC Barcelona zu tun, Borussia Dortmund muss gegen Erling Haaland und Manchester City ran!

RB Leipzig muss zudem gegen Titelverteidiger Real Madrid bestehen, Neuling Eintracht Frankfurt gegen Tottenham Hotspur um Stürmerstar Harry Kane. Und Bayer Leverkusen bekam unter anderem die äußert unangenehme Aufgabe Atlético Madrid zugelost.

Kahn hat es Kommen sehen, Salihamidzic mahnt

Bayern-Chef Oliver Kahn nahm das Barcelona-Los für die Gruppe C im Auditorium des Haliç Congress Center mit einem Lächeln zur Kenntnis.  Lewandowski hatte München nach einem Wechsel-Theater im Sommer Richtung Barcelona verlassen, mit den Bayern hatte der Pole alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. „Das war ja so klar“, kommentierte Kahn das Los.

„Da haben wir vorher im Büro schon Späßchen gemacht. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. „Barcelona hat sich verstärkt, wir aber auch. Es werden spannende Spiele.“ Weitere Bayern-Gegner sind das große Inter Mailand und Außenseiter Viktoria Pilsen. „Wir müssen schon aufpassen, mit Barcelona und Inter haben wir zwei Mannschaften, die richtig stark sind“, sagte Salihamidzic. „Natürlich sind wir gegen Pilsen Favorit. Das ist keine einfache Gruppe. Unsere Jungs müssen Vollgas geben.“

BVB trifft auf Haaland

Das BVB-Los musste während der Ziehung anhand der Regularien in die Man-City-Gruppe G gezogen werden. Erling Haaland hatte Dortmund im Sommer für 75 Millionen Euro zum Club von Pep Guardiola verlassen. Weitere Gruppengegner des deutschen Vizemeisters sind der FC Sevilla und der FC Kopenhagen. „Manchester City ist in der Champions League natürlich ein Brett“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus. „Wir freuen uns genauso drauf wie auf das Wiedersehen mit Erling Haaland.“

In der Gruppe D bekam Europa-League-Sieger Frankfurt neben Tottenham auch Sporting Lissabon und Olympique Marseille zugelost.

Ukrainisches Team gegen Leipzig

„Wir sind in eine sportlich reizvolle und hochattraktive Gruppe gelost worden“, sagte Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche und betonte: „Unser Ziel ist trotz der Stärke der Gegner die Qualifikation für das Achtelfinale.“ Die Leipziger spielen in Gruppe F außerdem in politisch emotionalen Spielen gegen das ukrainische Team Schachtjor Donezk sowie gegen Celtic Glasgow.

„Wir freuen uns gemeinsam mit unseren Fans auf magische Nächte“, sagte RB-Chef Oliver Mintzlaff. „Unser Ziel ist es, europäisch zu überwintern – am liebsten natürlich zum dritten Mal in der Königsklasse.“

Finale in Istanbul

Leverkusen muss zudem gegen den FC Porto und Club Brügge ran. „Atlético Madrid – das ist immer eine besondere Atmosphäre“, sagte Simon Rolfes, Bayers Geschäftsführer Sport. „Ich selbst habe mein letztes Champions-League-Spiel noch im alten Stadion in Madrid gemacht. Alle Teams haben eine unterschiedliche Art Fußball zu spielen. Daher freue ich mich auf die Partien und glaube, dass da was möglich ist.“

Auch die drei deutschen Trainer Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Roger Schmidt müssen schwierige Aufgaben lösen. Klopp trifft mit dem FC Liverpool auf Ajax Amsterdam, den SSC Neapel und die Glasgow Rangers.

„Extrem viele Spiele“

Tuchel spielt mit dem FC Chelsea gegen AC Mailand, RB Salzburg und Dinamo Zagreb. Schmidt bekommt es als Trainer von Benfica Lissabon mit dem Starensemble von Paris Saint-Germain, Juventus Turin und Maccabi Haifa zu tun. Wegen der WM Ende des Jahres wird die komplette Vorrunde bis Anfang November gespielt.

„Wir werden in dieser Saison alle Spieler im Kader brauchen, alle in Topverfassung brauchen, weil wir extrem viele Spiele haben“, hatte Bayern-Vorstandschef Kahn bereits gesagt. Der erste Gruppenspieltag ist für den 6. und 7. September angesetzt, der letzte für den 1. und 2. November.

Im neuen Jahr folgen im Februar und März die Achtelfinalpartien, im April die Spiele im Viertelfinale. Nach dem Halbfinale bis Mitte Mai steigt am 10. Juni das Finale – wieder in Istanbul. Dort sollte es eigentlich schon in der Corona-Pandemie stattfinden. Nun also im Jahr 2023.

dpa/dtj