Archivfoto: Şebnem Korur Fincancı, Vorsitzende der Ärztekammer TTB, spricht während einer Konferenz. Foto: TTB

Şebnem Korur Fincancı, Vorsitzende der Ärztekammer TTB, ist festgenommen worden. Sie hatte in einem Interview gesagt, dass es untersucht werden müsste, ob die türkischen Streitkräfte Chemiewaffen gegen die PKK eingesetzt haben.

Die Türkei geht hart gegen kritische Stimmen vor, die die türkische Armee wegen des mutmaßlichen Einsatzes von Chemiewaffen in Nordsyrien verdächtigen. So wurde die Vorsitzende der Ärztekammer TTB, Şebnem Korur Fincancı, festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch berichtete. Sie hatte eine Prüfung der Vorwürfe angeregt und war deswegen zunächst in Untersuchungshaft.

Nicht verifizierte Videos, die im Internet kursieren, sollen zeigen, wie türkische Streitkräfte bei einem Militäreinsatz im Nordirak Chemiewaffen gegen Stellungen der PKK einsetzen. Neben Fincancı hatten auch Teile der Opposition Untersuchungen gefordert. Die türkische Regierung und die Armee bestreiten die Vorwürfe, dass Chemiewaffen gegen die PKK zum Einsatz gekommen sind. Es handle sich um eine „Schmutzkampagne“.

Amtsenthebung gefordert

Grundlage für die Festnahme der TTB-Chefin sind Anadolu zufolge Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Ankara aufgrund von Aussagen, die Fincancı der PKK und YPG nahe stehenden Medien gegenüber getätigt habe. Die PKK sowie ihr syrischer Ableger YPG werden in der Türkei als Terrororganisationen eingestuft. Sie sind für zahlreiche Anschläge und Morde verantwortlich.

Die TTB teilte mit, dass sie den „politischen Lynchmord“ und die „rechtswidrigen Praktiken“ nicht akzeptieren werde. Sie forderte, dass Fincancı unverzüglich freigelassen werden müsse. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte angekündigt, dass gegen Fincancı bereits juristisch vorgegangen werde. Zudem solle sie des Amtes enthoben werden.

Die Armee ist in der Türkei nahezu heilig. Jegliche Aussagen oder auch nur Andeutungen, die sie in einem schlechten Licht stehen lassen könnten, werden meist mit Hochverrat gleichgesetzt.

dpa/dtj