Attila Hildmann wird im vergangenen Jahr bei einer Demonstration vor dem Reichstagsgebäude von Polizisten abgeführt. Foto: Christophe Gateau/dpa

Der in der Türkei untergetauchte rechtsradikale Verschwörungserzähler Attila Hildmann wird seit längerem per Haftbefehl gesucht. Kürzlich wurde bekannt, dass er keine türkische Staatsbürgerschaft besitzt, also ausgeliefert werden könnte. Nun hat ihn „Stern TV“ gefunden – dank der Hilfe der „Hildbusters“.

Der mit Haftbefehl wegen Volksverhetzung gesuchte rechtsradikale Verschwörungserzähler Attila Hildmann ist nach einem Medienbericht in der Türkei aufgespürt worden. Nach monatelangen Recherchen hätten eine Gruppe von Hobby-Detektiven („Hildbusters“) sowie Reporter der Zeitschrift „Stern“ Hildmann in der Stadt Kartepe, rund 100 Kilometer östlich von Istanbul, gefunden und mit ihm gesprochen, heißt es in dem Bericht der Zeitschrift. Ein gestern hochgeladenes Video zeigte die Begegnung.

Der Anführer der Hobby-Ermittler habe nach der Begegnung sofort das deutsche Generalkonsulat in Istanbul informiert und der Bundespolizei Hildmanns Adresse und das Nummernschild seines Autos mitgeteilt, so der „Stern“.

„Ich lebe hier frei“

Die Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich am Mittwoch zu dem Fall nicht äußern. Kürzlich war bekannt geworden, dass Hildmann nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte lange angenommen, er habe auch die türkische Staatsbürgerschaft und werde deswegen nicht ausgeliefert. Seit April sei der tatsächliche Status von Hildmann bekannt, die Fahndung wegen des internationalen Haftbefehls sei erweitert worden, hieß es kürzlich von der Staatsanwaltschaft.

In dem Film von der Begegnung von Reporterinnen und Rechercheuren mit Hildmann in „Stern TV“ sagte dieser auf die Frage, ob die türkischen Behörden wüssten, wo er lebe und ob er von ihnen geschützt werde: „Selbstverständlich. (…) Das sieht man doch. Ich lebe doch frei hier.“ Auf die Frage, ob er einen türkischen Pass habe, antwortete er zwei Mal mit dem Satz: „Ich bin Türke.“ Ansonsten sprach er weiter über antisemitische Verschwörungstheorien. Deutschland sei eine „Strafkolonie Israels“, er werde nicht aufhören, diese und andere „Wahrheiten“ zu verbreiten.

Seit Sommer in Kartepe

Ob die Bundesregierung inzwischen ein Auslieferungsgesuch an die Türkei gestellt hat, ist nicht bekannt. Der Druck auf die Behörden steigt jedenfalls. Beteiligt sein sollen nach Medienberichten das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Justiz, das Auswärtige Amt sowie die türkischen Behörden. Hildmann wurde in West-Berlin als Kind türkischer Eltern geboren, er wuchs aber bei deutschen Adoptiveltern auf.

Laut dem Bericht lebte Hildmann, der als veganer Kochbuchautor bekannt wurde und sich dann mit Beginn der Corona-Pandemie vor zweieinhalb Jahren radikalisierte, seit Sommer dieses Jahres in der Stadt Kartepe. Zuvor wohnte er demnach seit Herbst 2021 in Gömeç, einem Küstenort im Westen der Türkei.

Mit „Hildmannjäger“ unterwegs

Die 13 Hobby-Detektive nannten sich „Hildbusters“ (Hildmannjäger) – nach dem Hollywoodfilm und der Zeichentrickserie „Ghostbusters“. Hildmann war im Dezember 2020 in die Türkei geflohen und wurde ab Februar 2021 mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Die Gruppe recherchierte demnach sehr lange und aufwendig im Internet und in Chatkanälen und analysierte von Hildmann gepostete Videos und Fotos, um ihn aufzuspüren. Der „Stern“ begleitete die Gruppe, recherchierte nach eigener Darstellung parallel selber und gelangte in seine abgeschottete Chatgruppe auf „Telegram“.

Hier das Video von der Begegnung mit Hildmann, das seit gestern auf Youtube zu finden ist:

dpa/dtj