Amasra: Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei, besucht das Bergwerk nach dem Unfall. Foto: TCCB

Nach dem schweren Grubenunglück mit zahlreichen Toten in der nordtürkischen Provinz Bartın kritisiert die Opposition den Erklärungsansatz des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Die Armen seien die Leidtragenden von Erdoğans „Schicksalsplan“, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Veli Ağbaba, nach Angaben der Tageszeitung Cumhuriyet am Montag.

Erdoğan hatte die Katastrophe als Schicksalsschlag bezeichnet und gesagt, dass solche Unfälle „immer wieder passieren, egal was man tut“. Ağbaba entgegnete bei einem Besuch des Unglücksortes: „Sie wollen den Menschen weismachen, das wäre „Schicksal“. Wenn Du so sehr an Schicksal glaubst, warum läufst Du dann mit einer 3000 Mann starken Armee an Leibwächtern herum?“

Rechnungshof warnte 2019

Die Katastrophe hatte sich am vergangenen Freitag in einer Kohlemine in Bartın zugetragen, rund 300 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ankara. Zahlreiche Kumpel waren in Folge einer Explosion in 300 Metern Tiefe eingeschlossen oder getötet worden. Es ist einer der schwersten Industrieunfälle in der jüngeren Geschichte des Landes. Der Unfall ereignete sich laut Regierung durch eine Grubengas-Explosion. Die Anlage ist eine von fünf staatlich betriebenen Minen. In der Türkei kommt es häufig zu Unfällen in Bergwerken.

Die Arbeiter seien nicht aufgrund von Schicksal, sondern von Fahrlässigkeit gestorben, so Ağbaba. Seine Partei CHP kritisiert, dass Behörden einen Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2019 ignoriert hätten, in dem vor der Gefahr einer Grubengas-Explosion durch hohe Methangas-Werte in der Mine gewarnt worden sei. Es soll dort demnach viele Versäumnisse gegeben haben – unter anderem sei die Zahl der Arbeiter übermäßig reduziert worden, und das Messsystem für gefährliche Gase habe nicht einwandfrei funktioniert.

Die Ehefrau eines im Bergwerk Verstorbenen betonte ebenfalls, dass es sich nicht um einen „Unfall“ handele, sondern um „Mord“: „Sie werden wie schon in Soma versuchen, den Vorfall zu vertuschen.“

dpa/dtj