Bartın: Recep Ayvaz zeigt ein Bild seines Sohnes Selçuk, einer der Bergleute, die bei der Explosion in einem Kohlebergwerk in Bartın ums Leben kamen. Foto: Khalil Hamra/AP/dpa

Es ist einer der schwersten Industrieunfälle in der jüngsten Geschichte der Türkei: In einer Grube kommen 41 Kumpel ums Leben. Die türkische Opposition kritisiert Sicherheitsmängel, der Präsident spricht von Schicksal.

Ein tödliches Minenunglück in der Türkei hat mindestens 41 Bergleute das Leben gekostet. „Wir sind als Nation sehr traurig“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstag. Der Unfall am Freitag in der Schwarzmeer-Provinz Bartin rund 300 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ankara stellt einen der schwersten Industrieunfälle in der jüngeren Geschichte des Landes dar.

Am Sonntag wurden die letzten sechs der Todesopfer beerdigt. 35 waren bereits am Vortag zu Grabe getragen worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Zahlreiche Kumpel waren in Folge einer Explosion in 300 Metern Tiefe in einem Kohlebergwerk eingeschlossen oder getötet worden. Am Samstagmittag war der letzte Vermisste der insgesamt 110 Kumpel, die zum Zeitpunkt der Explosion unter Tage waren, tot geborgen worden. Elf waren bei der Explosion gegen 18.15 Uhr (Ortszeit) verletzt worden, 58 Bergleute konnten nach Angaben von Innenminister Süleyman Soylu gerettet werden.

Erdoğan: „Wir glauben an Schicksal“

Der Unfall ereignete sich mutmaßlich durch eine Grubengasexplosion, so Energieminister Fatih Dönmez. Die Ermittlungen dazu liefen, so Erdoğan. Den Hinterbliebenen versprach der Präsident finanzielle Hilfe.

Die Anlage ist eine von fünf staatlich betriebenen Minen. Abgeordnete der größten Oppositionspartei CHP kritisierten infolge des Vorfalls, Behörden hätten einen Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2019 ignoriert, in dem vor der Gefahr einer Grubengasexplosion durch hohe Methangaswerte in der Mine gewarnt worden sei.

Erdoğan sagte, „Wir glauben an Schicksal (…). Solche Unfälle werden immer passieren, egal, was man tut“. Seiner Darstellung zufolge wurden in der Mine die fortschrittlichsten Systeme eingesetzt. Die Zeitung „Birgün“ titelte daraufhin: „Nicht Schicksal, sondern Massaker“.

Keine Verhaftungen im Zusammenhang mit Soma

In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere schwere Minenunglücke in dem Land, teils wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen. 2014 starben bei einer Explosion in einer Kohlemine in Soma (Provinz Manisa) in der Ägäis-Region insgesamt 301 Menschen. Auch damals geriet Erdoğan, zu der Zeit Premierminister, in die Kritik, nachdem er Minenunfälle als in der Natur der Sache liegend bezeichnet hatte. Nach über acht Jahren gibt es in diesem Fall keine Schuldigen, die in Haft sind. Im Gegenteil: Die Anwälte der Minenarbeiter sitzen im Gefängnis.

dpa/dtj