Home Politik Erdoğan besucht Putin: Keine Feinde – aber auch keine Freunde

Erdoğan besucht Putin: Keine Feinde – aber auch keine Freunde

Sotschi: Dieses vom türkischen Präsidialamt zur Verfügung gestelltes Foto zeigt Recep Tayyip Erdoğan (l), Staatspräsident der Türkei, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, bei ihrem Treffen im Rus Sanatorium in Sotschi. Foto: Uncredited/Turkish Presidency Pool/AP/dpa

Sie sind keine Feinde, aber auch keine Freunde – Putin und Erdoğan, die Präsidenten Russlands und der Türkei. Nun vereinbarten beide Staatslenker engere Wirtschaftskooperationen. In der gemeinsamen Erklärung sticht das Thema Syrien heraus.

Kremlchef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan haben trotz des Ukrainekrieges den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen ihrer Länder beschlossen. Bei einem Treffen am Freitag in Sotschi am Schwarzen Meer seien „sehr wichtige Entscheidungen“ im Bereich von Handel und Wirtschaft getroffen worden, sagte Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak der Agentur Tass zufolge. So soll etwa Unternehmen beider Länder die Zusammenarbeit erleichtert werden.

Putin und Erdoğan verbinden viele schwierige Themen

Vor dem Treffen in Sotschi dankte Putin Erdoğan für dessen Vermittlung im Konflikt um Getreide-Exporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Die Türkei und Russland haben in einigen Bereichen gemeinsame Interessen, allerdings ist die Türkei Mitglied des NATO-Bündnisses und lehnt den Angriff Russlands auf die Ukraine ab.

Mit Spannung erwartet worden war vor allem, ob beide über einen möglichen Erwerb von türkischen Kampfdrohnen durch Russland diskutieren würden. Im Krieg gegen die Ukraine hatte Moskau zuletzt Interesse an den Waffen vom Typ Bayraktar TB2 geäußert. Am Abend hieß es jedoch von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die beiden Präsidenten hätten das Thema nicht angesprochen.

Erdoğan hatte vor dem Treffen angekündigt, man werde auch über die Situation in Syrien sprechen. Die Türkei kündigt seit Wochen eine neue Offensive im Norden des Landes an. Russland ebenso wie der Iran – beide Akteure im syrischen Bürgerkrieg – hatten der Türkei bisher von einem solchen Schritt abgeraten.

Weitere Getreidelieferungen durchs Schwarze Meer

Drei weitere Getreidefrachter sind am Freitagmorgen derweil aus ukrainischen Häfen ausgelaufen. „Aus den Häfen von Groß-Odessa ist die erste Karawane mit ukrainischem Getreide aufgebrochen“, teilte Infrastrukturminister Olexandr Kubrakow auf dem Telegram-Kanal der Behörde mit. Insgesamt befinden sich an Bord der drei Schiffe 57.000 Tonnen Mais. Die Frachter sind aus Odessa und dem anliegenden Hafen Tschornomorsk gestartet und nach ukrainischen Angaben auf dem Weg in die Türkei sowie nach Großbritannien und Irland. Laut dem türkischen Verteidigungsministerium werden sie in Istanbul inspiziert.

Anfang der Woche war nach mehrmonatiger russischer Seeblockade der erste Getreidefrachter aus der Ukraine gestartet. Die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte gilt als wichtig für die Stabilisierung der Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt. Vorerst will Kiew aus Sicherheitsgründen allerdings täglich nur drei Schiffe entsenden.

Der Abtransport von Millionen Tonnen Getreide auf dem Schiffsweg ist nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) allerdings kaum zu schaffen. Für die eingelagerten 20 Millionen Tonnen müssten rund 570 Schiffsladungen abgefertigt werden. „Gerade weil die Ernte von Getreide jetzt wieder beginnt und die Lager dafür dringend gebraucht werden, müssen auch andere Transportmöglichkeiten wie Züge und Lkw voll ausgeschöpft werden“, teilte der Leiter des Kiel Trade Indicators des IfW, Vincent Stamer, am Freitag mit.

dpa/dtj