Kırıkhan: Zwei Männer in Warnwesten gehen an einem zerstörten Haus vorbei. Mehr als eine Woche nach den verheerenden Beben in der Türkei und in Syrien ist die Hoffnung gering, noch weitere Überlebende unter den Trümmern zu finden, doch auch gestern gab es mehrere erfolgreiche Rettungsaktionen. Foto: Boris Roessler/dpa

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben muss weiter nach oben korrigiert werden. Tausende weitere werden befürchtet. Indes sind die Überlebenden dringend auf Hilfe angewiesen – auch internationale. Gestern gab es aber auch noch „positive“ Nachrichten.

Gut eine Woche nach der Erdbeben-Katastrophe im türkisch-syrischen Grenzgebiet ist die Zahl der Toten auf mehr als 40.000 gestiegen. Alleine in der Türkei liege die Zahl bei 35.418, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Dienstag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Aus Syrien wurden zuletzt 5.900 Tote gemeldet.

Vor gut einer Woche, am frühen Montagmorgen, hatte das erste Beben der Stärke 7,7 die Region erschüttert, Stunden später folgte ein zweites schweres Beben der Stärke 7,6. Die Katastrophenschutzbehörde Afad registrierte bislang mehr als 2.400 Nachbeben. Es werden noch Tausende weitere Opfer befürchtet.

WHO spricht von Jahrhundertkatastrophe

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte die Zahl noch auf 50.000 oder mehr steigen. Dass die Helfer noch Überlebende finden, wird immer unwahrscheinlicher. Türkische Medien meldeten am Dienstagmorgen dennoch mehrere Rettungen.

In Hatay wurde der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge etwa eine 26 Jahre alte Frau nach 201 Stunden unter den Trümmern lebend gerettet. Auch aus der Provinz Gaziantep gab es gute Nachrichten: Die Retter holten eine 40-Jährige am Montagmorgen nach 170 Stunden lebend aus der Ruine eines fünfstöckigen Hauses hervor, wie der Staatssender TRT berichtete.

WHO-Regionaldirektor Hans Kluge bezeichnete das Beben unterdessen als schlimmste Naturkatastrophe in der Region seit einem Jahrhundert. Rund 26 Millionen Menschen in der Türkei und Syrien bräuchten humanitäre Unterstützung, sagte er auf einer Online-Pressekonferenz. Der Bedarf an Hilfe sei riesig und wachse mit jeder Stunde.

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Flughafen Hatay wieder in Betrieb

Derweil ist der Flughafen in der südosttürkischen Provinz Hatay wieder in Betrieb. Die Flüge seien wieder aufgenommen worden, teilte die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines am frühen Montagmorgen auf Twitter mit.

Einwohner des Erdbebengebietes könnten Plätze in kostenlosen Evakuierungsflügen buchen. Der Flughafen in Hatay war bei dem Erdbeben stark beschädigt worden. So hatte sich etwa der Asphalt der Landebahn durch den Druck des Bebens zusammengeschoben und war aufgeplatzt. Verkehrsminister Ali Karaismailoğlu teilte auf Twitter Bilder, die den Zustand der Landebahn vor und nach der Reparatur zeigten.

dpa/dtj