Israelische Polizeibeamte stehen am Tatort eines Messerangriffs in der streng religiösen Ortschaft Elad östlich von Tel Aviv. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Erneut werden Menschen in Israel Opfer von mutmaßlich palästinensischen Angreifern. Nach dem blutigen Attentat nahe Tel Aviv läuft die Suche nach den Tätern auf Hochtouren – angetrieben von der Angst.

Israels Armee hat am Samstag im nördlichen Westjordanland das Haus eines Palästinensers zerstört, der des Mordes an einem israelischen Siedler beschuldigt wird. Ein 25-jähriger Israeli war am 16. Dezember getötet worden, als das Auto, in dem er unterwegs war, beschossen wurde.

Zwei weitere Personen erlitten Verletzungen. Die Armee nahm anschließend vier palästinensische Tatverdächtige fest. Die Armee bestätigte am Samstag, das Haus eines der Tatverdächtigen in einem Ort in der Nähe von Dschenin sei in der Nacht zerstört worden.

Abbas verurteilt Terror

Bei dem Einsatz sei es zu Konfrontationen mit Einwohnern gekommen, die die Soldaten mit Steinen und Brandflaschen beworfen hätten. Die Soldaten hätten zurückgeschossen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete.

„Die Tötung von palästinensischen und israelischen Zivilisten führt nur zu einer weiteren Verschlechterung der Situation, während wir alle uns darum bemühen, Stabilität zu erreichen und Eskalation zu verhindern“, sagte er demnach. Auch das Auswärtige Amt in Berlin, US-Außenminister Blinken und die UN verurteilten die Bluttat.

Harte Reaktion im Gazastreifen?

Mit dem neuen Anschlag wurden bei einer Terrorwelle in Israel seit Ende März 17 Menschen getötet. Bei zwei Anschlägen waren die Täter israelische Araber, Unterstützer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Zwei weitere Anschläge wurden von Palästinensern aus dem Westjordanland verübt.

Ein Sprecher des militärischen Arms der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas hat mit einem „Erdbeben“ in der Region gedroht, sollte Israel den Hamas-Chef Jihia al-Sinwar oder andere Führer gezielt töten. Abu Obeida, Sprecher der Kassam-Brigaden im Gazastreifen, warntevor einer harten Reaktion im Gazastreifen.

„Mit Blut und Zerstörung teuer bezahlen“

Sinwar hatte zuletzt Palästinenser im Westjordanland und israelische Araber offen zu Anschlägen in Israel aufgerufen. Dabei könnten Gewehre, Äxte oder Messer eingesetzt werden, sagte Sinwar vor einer Woche. „Wenn sie einen religiösen Krieg wollen, sind wir bereit“, sagte er.

Ein Sprecher der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen sagte am Donnerstagabend, bei dem neuen Anschlag handele es sich um eine Reaktion auf Israels „Stürmung“ des Tempelbergs in Jerusalem. Zuvor hatte die Hamas bereits vor „Konsequenzen“ gewarnt, sollten Israelis am Donnerstag wieder den Tempelberg besuchen.

Konfrontationen am Tempelberg

Die Polizei erlaubte es am israelischen Unabhängigkeitstag jüdischen Israelis, die heilige Stätte zu besuchen. Dabei kam es erneut zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam.

Messer-Attacke: Israelische Polizisten erschießen Palästinenser

Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung, während Israel für die Sicherheit zuständig ist. Laut einer Vereinbarung mit den muslimischen Behörden dürfen Juden die Anlage besuchen, dort aber nicht beten.

Dagegen gibt es jedoch immer wieder Verstöße (DTJ-Online berichtete). Die Palästinenser werfen Israel vor, es wolle seine Kontrolle der heiligen Stätte ausweiten. Israel hat jedoch betont, man sei dem Status quo verpflichtet.

dpa/dtj