Sicherheitskräfte stehen vor dem saudi-arabischen Konsulat. Erstmals seit dem Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Türkei reist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach Saudi-Arabien. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Entspannung nach dem Eklat? Erstmals seit dem Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Türkei reist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach Saudi-Arabien. Die Details.

König Salman werde ihn am Donnerstag in der Küstenstadt Dschidda empfangen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Regierungskreisen im Königreich. Danach sei auch ein Treffen Erdoğans mit Kronprinz Mohammed bin Salman geplant, dem faktischen Herrscher des Landes.

Ziel der Treffen sei unter anderem eine Aussöhnung beider Länder sowie eine stärkere Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft. In der Türkei berichtete Journalist Ragıp Soylu, der gute Kontakte in Regierungskreise pflegt, von dem geplanten Treffen.

Drei über die Reise informierte Quellen hätten ihm den für diese Woche geplanten Besuch Erdoğans in Saudi-Arabien bestätigt, schrieb er bei Twitter. Eine offizielle Ankündigung für die Reise gab es zunächst nicht. Erdoğan war zuletzt im Sommer 2017 nach Saudi-Arabien gereist.

Prozess überraschend beendet

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Saudi-Arabien sind seit dem Mord Khashoggis im Oktober 2018 belastet. Der Regierungskritiker war im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden, seine Leiche wurde zerstückelt und ist bis heute unauffindbar. Die US-Geheimdienste sehen Kronprinz Mohammed als Drahtzieher.

Das Königshaus weist das zurück. Auch Erdoğan und regierungsnahe türkische Medien hatten den Kronprinzen indirekt mit der Tat in Verbindung gebracht. Der Fall hat dem Image des Kronprinzen schwer geschadet.

Erdoğan will erstmals seit Khashoggi-Mord nach Saudi-Arabien

Das „Wall Street Journal“ hatte unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet, Kronprinz Mohammed wolle eine Zusage von Erdoğan, dass dieser den Fall Khashoggi künftig nicht mehr erwähnt. Im April hatte ein Gericht in der Türkei den Fall bereits überraschend abgelegt und den Mordprozess an Saudi-Arabien überstellt (DTJ-Online berichtete).

dpa/dtj