In Tansania bauen türkische Unternehmen das Schienennetz aus. In Uganda sollen bald ähnliche Pläne umgesetzt werden. Foto: Katsuma Tanaka / Unsplash

Die Türkei betreibt eine offensive Wirtschaftspolitik im Ausland. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent bemühen sich Politik, Militär und Unternehmen um Großaufträge. In Ostafrika verdrängt Ankara gar China.

Milliarden an Investitionssummen, hunderte Kilometer an Gleisen und viele Fragezeichen: In Uganda kommt es gerade zu einem Wachwechsel der besonderen Art. Nach einer Hängepartie mit chinesischen Partnern setzt das ostafrikanische Land auf ein türkisches Unternehmen beim Bau seines Bahnnetzes.

Und das kam so: Uganda hatte 2015 die China Harbour Engineering Company beauftragt, eine Bahnstrecke durch das Land an den Großen Seen zu bauen. Der Vertrag mit dem chinesischen Unternehmen beinhaltete Investitionssummen von insgesamt bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar.

Offerten türkischer Unternehmen kamen gerade recht

Ein Großteil der Kosten sollte die Firma selbst übernehmen, einen anderen Teil chinesische Banken bezuschussen. Doch es blieb bei Absichtserklärungen. Erst Corona, dann die Krise – jahrelang ging es hin und her. Zuletzt stellt die staatliche China Exim Bank klar: Für das Projekt in Uganda gibt es kein Geld.

Für das kleine Land war das ein Paukenschlag. China hatte über Jahre hinweg die wichtigsten Infrastrukturprojekte Ugandas finanziert, chinesische Unternehmen setzten sie um. Nach Jahren der finanziellen Abhängigkeit musste Präsident Yoweri Museveni neue Partner suchen. Da kamen die Offerten türkischer Unternehmen gerade recht.

Exzellenter Ruf der Türkei in Afrika

Offenbar ist der türkische Baukonzern Yapı Merkezi ins Rennen um das Bahnnetz eingestiegen und ergatterte binnen weniger Wochen die Pole Position. Mittlerweile gäbe es sogar bereits ein „Memorandum of Understanding“, um die technischen und finanziellen Vorbereitungen für einen finalen Vertrag zu klären, heißt es aus Regierungskreisen.

Hinzu kommt: Türkische Ingenieure und Produkte haben einen exzellenten Ruf auf dem afrikanischen Kontinent. In Tansania, dem südlichen Nachbarland Ugandas, bauen Unternehmen der Yapı-Merkezi-Gruppe bereits eine Bahnlinie. Die Arbeiten scheinen weit fortgeschritten. Experten rechnen mit einer baldigen Eröffnung des ersten Streckenabschnitts.

Afrika: Markt der Zukunft

Die offensive Außenwirtschaftspolitik Ankaras scheint sich mehr und mehr auszahlen. Das Land schloss bereits Handelsabkommen mit 45 afrikanischen Staaten ab. Über 1.500 türkische Unternehmen haben Investitionen von insgesamt 70 Milliarden US-Dollar in Afrika getätigt, schätzt der Wissenschaftler Yunus Turhan, der zu türkisch-afrikanischen Beziehungen forscht.

Warum die Türkei in Afrika so aktiv ist

Türkische Unternehmen bieten annähernd europäische Qualität zu asiatischen Preisen. Das macht sie beliebt. Das jährlich stattfindende türkisch-afrikanische Wirtschaftsforum in Istanbul tut ihr Übriges. Und dass türkische Firmen nicht unbedingt nach Menschenrechten und rechtsstaatlichen Standards (was übrigens auch europäische Staaten nicht immer tun) in den Partnerländern fragen, sorgt im post-kolonialen Afrika für weitere Sympathien.

Dabei sind die Infrastrukturprojekte im Herzen des Kontinents nur ein Beispiel für die gewachsene Bedeutung der Türkei. Auch im Militärbereich, im Gesundheitssektor, in der Logistikbranche sowie in Bildung und Wissenschaft ist Ankara aktiv. Für die Türkei ist Afrika der Markt der Zukunft – mit massig verborgenem Potenzial.