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Flucht/Migration

Nach Bootsunglück vor Süditalien: Türkischer Schlepper zu langer Haftstrafe verurteilt

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ARCHIV - 27.02.2023, Italien, Cutro: Blick auf einen Teil des Wracks eines gekenterten Bootes, das an einem Strand angeschwemmt wurde. Ein mutmaßlicher Schlepper ist nun zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Foto: Paolo Santalucia/AP/dpa

Knapp ein Jahr nach einem Bootsunglück im Mittelmeer mit 94 toten Migranten hat ein italienisches Gericht einen Schlepper zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht in der kalabrischen Stadt Crotone habe gegen den 29 Jahre alten Türken zudem eine Geldstrafe von drei Millionen Euro verhängt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch. Der Mann soll einer von vier Schleusern sein, die das Holzboot vergangenes Jahr mit Migranten an Bord nach Süditalien steuerten.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm und drei weiteren Männern vor, das Migrantenboot mit mehr als 150 Menschen an Bord von der türkischen Küste über das Mittelmeer nach Kalabrien gesteuert zu haben. Am frühen Morgen des 26. Februar brachten die Männer das Boot kurz vor süditalienischen Küste bei einem abrupten Wendemanöver zum Kentern, wie Überlebende später berichteten. 94 Menschen kamen ums Leben – darunter 35 Minderjährige. Noch immer werden Menschen vermisst, die vermutlich ertrunken sind.

Türke entscheidet sich als einziger für ein verkürztes Verfahren

Der Türke hat sich als einziger von den vier Angeklagten für ein sogenanntes verkürztes Verfahren entschieden. Dabei entscheidet ein Richter allein aufgrund der Akten der Staatsanwaltschaft und verzichtet auf eine Hauptverhandlung. Im Gegenzug äußert sich der Angeklagte ausführlich. Der Mann bestritt Medienangaben zufolge dabei, das Boot gefahren zu haben. Er sei nur der Mechaniker an Bord gewesen.

Italiens rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte nach dem Bootsunglück die Strafen für Schlepper und deren Hintermänner drastisch verschärft. Wenn es bei solchen irregulären Überfahrten zu Unfällen mit Toten kommt, können den Verantwortlichen bis zu 30 Jahre Haft drohen.

dpa/dtj