Neue ARD-Serie beleuchtet Aufstieg und Macht von Recep Tayyip Erdoğan
Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Türkei gehört Recep Tayyip Erdoğan zu den prägendsten und zugleich umstrittensten Politikern der Gegenwart. Eine neue vierteilige Dokumentationsreihe der ARD widmet sich nun seiner politischen und persönlichen Entwicklung – vom Sohn einer einfachen Familie aus dem Istanbuler Stadtteil Kasımpaşa bis zum mächtigsten Staatspräsidenten der modernen Türkei.
Ab dem 29. Juni 2026 ist die Serie „ERDOĞAN“ in der ARD-Mediathek verfügbar. Produziert wurde sie von den Dokumentarfilmern Michael Wech und Kristina Karasu, die über mehrere Jahre recherchierten und zahlreiche Gespräche mit ehemaligen Weggefährten, politischen Vertrauten und internationalen Beobachtern führten. Die Reihe erscheint sowohl in deutscher als auch in türkischer Sprachfassung.
Persönliche Einblicke aus Erdoğans Umfeld
Im Mittelpunkt stehen Aussagen von Menschen, die Erdoğan über viele Jahre begleitet haben. Darunter der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç, der frühere Privatsekretär Turhan Çömez, AKP-Mitgründerin Fatma Bostan Ünsal, der ehemalige Kulturminister Ertuğrul Günay sowie Nihal Olçok, die Witwe seines langjährigen Wahlkampfstrategen. Auch internationale Stimmen wie der ehemalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta oder der frühere Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz kommen zu Wort.
Nach Angaben der Produzenten soll die Serie kein politisches Urteil fällen, sondern den Menschen hinter dem Politiker verständlich machen. Sie zeichnet nach, wie Erdoğan politische Krisen immer wieder in Chancen verwandelte, welche Wendepunkte seinen Führungsstil prägten und warum er bis heute Millionen Menschen überzeugt, während er zugleich scharfe Kritik auf sich zieht.
Zwischen Reformpolitik und Machtkonzentration
Die Dokumentation verfolgt Erdoğans Entwicklung von den wirtschaftlichen Reformjahren der frühen 2000er bis zur Einführung des Präsidialsystems, das ihm weitreichende Befugnisse verschaffte. Dabei werden auch einschneidende Ereignisse wie die Gezi-Proteste, der Arabische Frühling und der Putschversuch von 2016 als Stationen beleuchtet, die seinen politischen Kurs nachhaltig beeinflusst haben sollen.
Regisseur Michael Wech bezeichnet Erdoğan als einen der einflussreichsten Politiker der Welt und erklärt, gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt, seine Geschichte zu erzählen. Ihn interessiere insbesondere die Frage, wie ein demokratisch gewählter Politiker ein System schaffen konnte, das heute vielfach als autokratisch beschrieben wird. Co-Regisseurin Kristina Karasu wiederum verweist auf den Wandel, den sie seit ihren ersten journalistischen Arbeiten in der Türkei erlebt habe: von einer Phase wirtschaftlichen Aufschwungs und internationaler Anerkennung bis zu einer zunehmend polarisierten Gesellschaft.
Auch die deutsch-türkische Community im Blick
Die Dokumentation beschäftigt sich zudem mit Erdoğans Einfluss auf die türkische Diaspora in Deutschland. Die Filmemacher gehen der Frage nach, weshalb der Präsident auch außerhalb der Türkei eine große Unterstützung erfährt und warum seine Person innerhalb der deutsch-türkischen Community oftmals ebenso stark polarisiert wie in der Türkei selbst.
Nach Aussagen der Regisseure war der Zugang zu ehemaligen Weggefährten nicht selbstverständlich. Während einige Interviewpartner ihre Sicht erstmals öffentlich schilderten, lehnten andere Gespräche aus Sorge vor möglichen Konsequenzen ab. Die Produzenten betonen jedoch, ihr Ziel sei es gewesen, Erdoğan ohne ideologische Vorfestlegung zu porträtieren und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.
Sendetermine
- Ab 29. Juni 2026: Alle vier Folgen in der ARD-Mediathek
- 8. Juli 2026: Zwei Folgen im Ersten
- 15. Juli 2026: Vier Folgen im WDR Fernsehen



