Der Mainzer Moussa Niakhaté (r.) jubelt im Spiel gegen Arminia Bielefeld am 19.3.2022 nach seinem nicht gegebenen Treffer zum 2:0. Foto: Torsten Silz/dpa

Sowohl am Mittwoch als auch am Sonntag unterbrachen Schiedsrichter zum Sonnenuntergang Partien der Fußball-Bundesliga, um fastenden muslimischen Spielern die Möglichkeit zu geben, Wasser zu trinken. Das gab es in der Fußball-Bundesliga noch nie. Auch der DFB äußerte sich mittlerweile zum Thema.

In Leipzig schlossen gestern Abend RB Leipzig und die TSG 1899 Hoffenheim den 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga ab. Während es in der Partie, die der Gastgeber mit 3:0 für sich entscheiden konnte, keine großen Auffälligkeiten gab, sorgte Schiedsrichter Bastian Dankert in der ersten Halbzeit für eine bemerkenswerte Randnotiz. Er unterbrach das Spiel für einen kurzen Moment, nachdem die Sonne untergegangen war, und räumte Mohamed Simakan von RB die Möglichkeit ein, sein Fasten zu brechen.

Während im Hochsommer Trinkpausen in deutschen Profiligen nicht unüblich sind, hatte es eine solche offizielle Unterbrechung im Zusammenhang mit dem islamischen Fastenmonat bisher nicht gegeben. Bereits am Mittwoch im Nachholspiel zwischen dem FC Augsburg und dem FSV Mainz 05 hatte der Spielleiter Matthias Jöllenbeck die Partie beim Sonnenuntergang das Spiel angehalten, damit der muslimische Mainz-Verteidiger Moussa Niakhaté trinken und sein Fasten damit beenden konnte.

„Er hat mich gefragt, ob er nach Sonnenuntergang etwas trinken könne, da er Moslem ist und aktuell Ramadan sei. Sowas hatte ich davor auch noch nie erlebt. Selbstverständlich habe ich dem aber zugestimmt“, so Jöllenbeck, bei dem sich Niakhaté nach seiner Trinkpause direkt bedankte, nach dem Spiel gegenüber Sport 1. Im Video zu sehen sind die Szenen hier. Pflicht ist es für muslimische Profisportler übrigens laut einem Rechtsgutachten der Al-Azhar, eine der führenden Autoritäten des Islam, nicht, an einem Spieltag zu fasten. Viele halten das religiöse Gebot aber dennoch ein.

England ist einen Schritt weiter

In der englischen Premier League ist das Ramadan-Fasten und der Umgang damit schon länger ein Thema. In der vergangenen Saison habe es laut Deutschlandfunk eine informelle Vereinbarung unter den Kapitänen der Liga gegeben: Fastenden Spielern sollte demnach in der ersten Spielunterbrechung nach Sonnenuntergang explizit die Möglichkeit zum Fastenbrechen gegeben werden.

Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt derweil die Gewährung von Trinkpausen für muslimische Spieler durch Schiedsrichter während des Ramadan. „Eine generelle Anweisung gibt es dazu zwar nicht, aber wir unterstützen es natürlich, wenn unsere Schiedsrichter auf Bitten der Spieler während des Ramadan solche Trinkpausen zulassen“, sagte Lutz Michael Fröhlich, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, am Montag auf dpa-Anfrage. „Das sollen sie gerne auch weiterhin so handhaben.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bezeichnete die Pause als „Vereinfachung, wenn das Spiel ausgerechnet in die Zeit des Sonnenuntergangs, sprich des Fastenbrechens, dann auch fällt“.

In diesem Jahr geht der Ramadan noch bis zum 1. Mai. In der Bundesliga stehen in diesem Zeitraum noch drei Spieltage an, bei denen insgesamt drei Abendspiele in die Zeit des Sonnenuntergangs fallen.

dtj/dpa