Iran, Teheran: Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik über AP veröffentlichte Bild zeigt Wladimir Putin (l.-r.), Präsident von Russland, Ebrahim Raisi, Präsident des Iran, und Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei, die sich vor ihren Gesprächen im Saadabad-Palast in Teheran zu einem Foto zusammenstellen. Foto: Sergei Savostyanov/Pool Sputnik Kremlin via AP/dpa

Noch vor wenigen Tagen war US-Präsident Joe Biden im Nahen Osten, nun treffen sich die Staatschefs Putin, Erdoğan und Raisi in Teheran. Offiziell ging es um eine Verbesserung der Lage in Syrien. Doch die Staaten suchen auch nach Einfluss in der Region.

Kremlchef Wladimir Putin, Irans Präsident Ebrahim Raisi und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan haben in Teheran über die Lage in Syrien beraten. „Der Iran ist der Ansicht, dass die einzige Lösung für die syrische Krise eine politische ist und dass militärische Maßnahmen nicht nur unwirksam sind, sondern die Situation verschlimmern werden“, sagte Raisi am Dienstag bei einer Abschlussrede im Beisein von Putin und Erdoğan.

Putin forderte mehr Einheit in der Syrien-Politik und warf dem Westen Einmischung vor. Dieser habe „Kurs auf eine Zerstückelung des Landes genommen“, so der Präsident. Erdoğan forderte unterdessen Unterstützung beim Kampf gegen Terrorismus. „Unser Kampf gegen Terrororganisationen wird stets anhalten, ungeachtet dessen, wo oder von wem er unterstützt wird“, betonte der türkische Staatschef. Das nächste Syrien-Treffen in dem Format soll in Russland stattfinden.

Die Staatschefs verständigten sich in einer Abschlusserklärung darauf, die territoriale Integrität Syriens zu wahren. Man strebe eine diplomatische Lösung unter Vermittlung der Vereinten Nationen an. Weitere Ziele seien, Terrorismus zu bekämpfen und die Spannungen in der Rebellenhochburg Idlib zu lösen. Das Leid der Menschen in Syrien solle schnellstmöglich beendet werden, sodass auch Geflüchtete in ihr Land zurückkehren können. Das nächste Treffen der drei Staaten zu Syrien soll noch in diesem Jahr in Russland stattfinden.

Auch wenn die Syrien-Gespräche im Fokus des Treffens standen, dürfte neben regionaler Kooperation auch Russlands Angriffskrieg in seinem Nachbarland Ukraine Thema gewesen sein. Öffentlich zur Sprache kam der Ukraine-Krieg am Dienstag nicht mehr.

Suche nach Lösungen und Einfluss im Syrien-Konflikt, Iran warnt Türkei

Bereits in der Vergangenheit hatten die drei Staaten im Astana-Format über die Zukunft Syriens verhandelt. Der dortige Krieg hatte 2011 mit friedlichen Protesten begonnen, gegen die die Regierung mit Gewalt vorging. Mit Hilfe ihrer Verbündeten Russland und Iran beherrschen die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad wieder einen Großteil des Landes. Der Rest steht unter Kontrolle von türkischen Truppen, Rebellen oder Kurden. Ankara kündigt seit Wochen eine neue Offensive in Nordsyrien an und hält als Resultat vergangener militärischer Eingriffe Gebiete im Norden besetzt. Russland und der Iran hatten die Türkei jüngst vor einer Militäraktion gewarnt.

Irans oberster Führer erneuerte seine Warnungen in einem Gespräch mit Erdoğan. „Jeglicher Angriff der Türkei in Nordsyrien würde nur den Terroristen in Syrien helfen. Wir betrachten die Sicherheit in Syrien als unsere eigene Sicherheit und die Türkei sollte das auch tun.“ Die Türkei argumentiert wiederum mit ihrer Sicherheit und „terroristischer“ Bedrohung für eine Offensive.

Syrische Oppositionspolitiker warfen den drei Staaten vor, sich nur für ihre eigenen Belange in dem Land zu interessieren. Ihr Hauptziel sei es, „die syrischen Rechte zu schwächen und mehr den Interessen des syrischen Regimes zu dienen“, sagte der Oppositionelle Jijha al-Aridi am Dienstag. Die noch im Juli geplante neue Runde der Syrien-Verfassungsgespräche in Genf war erst jüngst abgesagt worden.

Staaten vertiefen wegen US-Sanktionen wirtschaftliche Kooperation

Sanktionen treffen den Iran und Russland hart. Auch deshalb streben beide Länder eine vertiefte Kooperation an, insbesondere in der Öl- und Gaswirtschaft sowie im Finanzsektor. Auch Ankara will dem Bekennen nach die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Teheran ausbauen.

Erdoğan erklärte, er hoffe besonders auf einen Ausbau der Kooperation in der Verteidigungsindustrie. Die beiden Nachbarstaaten unterzeichneten zudem eine Reihe von Absichtserklärungen. Auch die Grenzsicherheit zwischen beiden Ländern wurde angesprochen. Durch den Iran führt eine der Hauptfluchtrouten für Menschen aus Afghanistan auf dem Weg in die Türkei und nach Europa.

Der russische Gaskonzern Gazprom und Irans staatliches Ölunternehmen kündigten unterdessen eine strategische Zusammenarbeit an. Demnach wollen die beiden Unternehmen Möglichkeiten einer Kooperation ausloten, etwa bei der Erschließung von Öl- und Gasfeldern im Iran oder auch bei der Verflüssigung von Gas, beim Bau von Pipelines und im wissenschaftlich-technischen Bereich. Iran verfügt über eines der größten Gasfelder der Welt. Durch die US-Sanktionen kommt das Land jedoch nicht an moderne Technik.

Bis heute arbeiten iranische Privatunternehmen jedoch oft ungern mit Russen zusammen. Auch in politischen Kreisen ist immer wieder zu hören, Russland sei kein verlässlicher Partner – und insbesondere Putin nicht, der den Iran jederzeit für eigene Interessen fallen lassen könne. Klar ist aber auch: Russland unterstützte den Iran zudem in der Vergangenheit mit militärischer Ausrüstung, die das Land wegen der Sanktionen schwer beschaffen kann.

Putin sucht Unterstützung für Angriffskrieg – Iran betont Neutralität

Offiziell gibt sich der Iran mit Blick auf Putins Ende Februar begonnenen Krieg gegen die Ukraine neutral. Doch die Sympathien der iranischen Führung für Russland sind bekannt. Für Wirbel hatte vergangene Woche zudem eine Aussage eines hochrangigen US-Regierungsvertreters gesorgt. Es gebe Hinweise, dass Moskau iranische Kampfdrohnen für den Krieg gegen die Ukraine erwerben wolle. Der Iran dementierte das umgehend und versicherte der Ukraine mit Nachdruck, die amerikanischen Behauptungen seien „grundlos“.

Bei einem Treffen mit Erdoğan äußerte sich Putin dankbar für die Vermittlung Ankaras beim Thema Getreidelieferungen. Die Ukraine und westliche Staaten werfen Russland eine Blockade ukrainischer Seehäfen und damit auch der Getreidelieferungen vor. Moskau weist den Vorwurf zurück. Es seien zwar noch nicht alle Fragen geklärt, aber es gebe Fortschritte, sagte der Kremlchef.

dpa/dtj