Arbeiter bauen Gas-Pipelines für den geplanten LNG Flüssiggas-Schwimmterminal in Brunsbüttel. Foto: Marcus Brandt/dpa

Menschenrechte hin oder her: Deutschland braucht dringend Gas, um die ausbleibenden Lieferungen aus Russland zu ersetzen. Katar will ab 2026 mit Flüssigerdgas einspringen. Die geplante Menge könnte etwa drei Prozent des deutschen Jahresbedarfs decken.

Der Energieriese Qatar Energy unterzeichnete dazu am Dienstag zwei Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips, das das Gas nach Brunsbüttel liefern soll. Dort wird ein Flüssiggasterminal gebaut. Deutschland will mit LNG aus aller Welt ausbleibendes Erdgas aus Russland ersetzen.

Die Lieferungen aus Katar sollen bis zu zwei Millionen Tonnen im Jahr umfassen und über mindestens 15 Jahre gehen. Das Gas solle in Deutschland bei verschiedenen Käufern vermarktet werden, sagte der Chef von Conoco Phillips, Ryan Lance. Die Details sind bislang unklar.

Vielfalt bei der Versorgung

Dem Branchenverband Zukunft Gas zufolge entspricht die vereinbarte jährliche Menge rund 30 Terawattstunden und damit etwa drei Prozent des bisherigen Verbrauchs in Deutschland. „Wir müssen aber knapp 500 Terawattstunden ersetzen, die bislang über russische Gaslieferungen gedeckt wurden“, sagte Vorstand Timm Kehler.

Es gebe noch viel Arbeit, um die Versorgung langfristig zu sichern. Trotzdem sieht der Verband ein positives Signal. „Jedes zusätzliche Angebot erhöht die Versorgungssicherheit“, hob die deutsche Energiewirtschaft hervor. Langfristige Lieferverträge stabilisierten das Gesamtsystem.

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„Weltmeister der Doppelmoral“

„Insofern profitieren sowohl private als auch industrielle Gasverbraucher von neuen Langfristverträgen“, sagte die Chefin des Branchenverbandes BDEW, Kerstin Andreae. Kanzler Olaf Scholz bezeichnete die Lieferungen als Baustein für die künftige Energieversorgung Deutschlands. „Wir werden insgesamt dafür sorgen, dass wir sehr viele unterschiedliche Länder haben, die unsere Energieversorgung gewährleisten.“

CDU-Chef Friedrich Merz nannte den Deal unzureichend. Die vereinbarte Liefermenge sei viel zu gering. Kritik wurde auch laut angesichts der Haltung Deutschlands im Vorfeld der aktuell laufenden Weltmeisterschaft in Katar, als zahlreiche Politiker:innen und Medien die Menschenrechtslage im Land bemängelten. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung etwa kommentierte: „Tatsächlich steht Deutschland nun als Weltmeister der Doppelmoral da. Als Gasverkäufer ist uns Katar in der Not gerade recht, als WM-Gastgeber aber sei es bei jeder Gelegenheit geschmäht: Das ist ein Widerspruch, der sich tatsächlich schwer auflösen lässt.“

dpa/dtj