Istanbul: Eine Frau legt Blumen nieder am Ort der Explosion auf der Fußgängerzone Istiklal. Bei dem Anschlag am Sonntag auf der belebten Einkaufsstraße waren mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Foto: Khalil Hamra/AP/dpa

Nach dem Anschlag mit mindestens sechs Toten in Istanbul hat die Polizei noch am Sonntag eine verdächtige Person gefasst. Sie soll aus Kobanê im Norden Syriens stammen.

Einsatzkräfte hätten die Person, die die Bombe auf der Einkaufsstraße Istiklal deponiert habe, festgenommen, zitierte der staatsnahe Sender TRT den türkischen Innenminister Süleyman Soylu in der Nacht zum Montag (auch ein Video der Festnahme wurde veröffentlicht). Es gebe Verbindungen zur PKK und PYD in Nordsyrien. Die Täterin soll aus Kobanê stammen und über das von der Türkei kontrollierte Afrin eingereist sein, wie der Innenminister mitteilte. Soylu kündigte laut TRT Vergeltung an. Bis jetzt hat sich noch keine Terrororganisation zur Bluttat bekannt.

Bei dem Anschlag am Sonntag auf der belebten Einkaufsstraße waren sechs Menschen getötet worden, 81 wurden verletzt. Die türkische Regierung hatte zuvor erklärt, eine Frau stehe unter Verdacht, eine Bombe auf der auch bei Touristen beliebten Flaniermeile deponiert zu haben. Vizepräsident Fuat Oktay hatte die Tat als „Terroranschlag“ bezeichnet. Dem türkischen Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun zufolge seien Anschläge in der Türkei eine direkte oder indirekte Folge der „Unterstützung von Terrorgruppen durch manche Länder“. Eine namentliche Nennung nahm er nicht vor, dürfte aber damit vor allem Schweden oder die USA gemeint haben.

PKK schlug zuletzt unter anderem in Mersin zu

Erst Ende September schlug die PKK in Mersin zu und tötete einen türkischen Polizisten. Die Organisation steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste und unterhält Stellungen in der Südosttürkei und im Nordirak. Ihr Hauptquartier liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Ankara geht regelmäßig gegen die PKK vor und unterhält seit 2016 auch Militärposten im Nordirak.

Der seit 1984 andauernde Konflikt kostete bislang Zehntausenden Menschen das Leben. Ein Waffenstillstand war im Sommer 2015 gescheitert. Im Juni 2015 verlor die AKP erstmals die absolute Mehrheit im Parlament. Nach zahlreichen Anschlägen bekam die Partei im November die absolute Mehrheit wieder zurück.

Im kommenden Juni finden erneut Wahlen statt, erste Beobachter äußerten die Sorge vor einem ähnlichen Szenario wie 2015.

dpa/dtj